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Der Gnadenstoß für die Songhai
Geschichte des Islams in WestafrikaDas Songhai-Reich

Der Gnadenstoß für die Songhai

Tondibi und der Gnadenstoß: das Ende des ersten westafrikanischen Zeitalters

An einem Nachmittag im März 1591 stand ein Songhai-Heer von vierzigtausend Mann einem Heer von viertausend Marokkanern mit Feuerwaffen gegenüber. Innerhalb weniger Stunden war Westafrika für zweihundert Jahre verändert.

Ein Datum, das festzuhalten ist

Setzen wir zuerst die Tatsachen gerade, denn in unserem eigenen Produktionssystem ist dieses Ereignis unter dem Jahr 1592 verzeichnet, und das ist eine Annäherung, die in einem Vortrag nicht unwidersprochen bleiben kann. Die Schlacht von Tondibi, die entscheidende Konfrontation, welche das Schicksal Songhais besiegelte, fand etwa am 13. März 1591 statt. Die marokkanische Expedition brach im Oktober 1590 aus Marrakesch auf, durchquerte die Sahara im Winter 1590-1591 und führte Tondibi im März 1591 aus. Das in unserer Produktionsbeschreibung genannte Jahr 1592 verweist auf die vollständige Besetzung Gaos, Timbuktus und Djennés, die im Verlauf von 1591 und 1592 gefestigt wurde.

Für heute Abend behandle ich den Schlag als das, was er war: ein Ereignis im Jahr 1591 mit einer Nachwirkung, die sich bis 1592 und darüber hinaus erstreckt.

Ahmad al-Mansur: der goldene Sultan

Um Tondibi zu begreifen, müssen wir zuerst den Mann kennen, der den Befehl gab. Ahmad al-Mansur regierte als Saadi-Sultan von Marokko von 1578 bis 1603. Er kam in einem goldenen Augenblick an die Macht: sein Vetter Abd al-Malik hatte gerade einen großen Sieg in der Schlacht der Drei Könige (1578) errungen, in der der portugiesische König Sebastian fiel, gemeinsam mit zwei anderen Königen, darunter Abd al-Malik selbst, der während oder unmittelbar nach der Schlacht starb. Ahmad bestieg den Thron aus diesem Wirrwarr, erhielt den Beinamen al-Mansur (der Sieger) und später auch adh-Dhahabi (der Goldene), wegen seines unermesslichen Reichtums.

Doch dieser Reichtum war nicht unbegrenzt. Al-Mansur erbte einen Staat, der gerade einen schweren Krieg geführt hatte, einen prunkvollen Hof, der jeden Tag Geld kostete, ein Heer aus türkischen Janitscharen und andalusischen Morisken, das bezahlt werden musste, und Ambitionen, die alle seine Einnahmen übertrafen. Er wollte ein modernes islamisches Imperium gründen, das mit den Osmanen wetteifern würde. Er ließ den El-Badi-Palast in Marrakesch errichten, eine kaiserliche Residenz, die allein an italienischem Importmarmor astronomische Summen verschlang. Er unterhielt eine Flotte, ein stehendes Heer, eine internationale diplomatische Präsenz bis nach England (seine Gesandten trafen Königin Elisabeth I.).

Für all dies brauchte er Gold. Und er wusste genau, woher dieses Gold kam.

Die Logik der Invasion

Al-Mansurs Berater warnten ihn vor der Expedition nach Songhai. Die Sahara mit einem Heer zu überqueren, war nie zuvor in solchem Maßstab versucht worden. Die Entfernung war das Dreifache jedes arabischen Feldzuges in der frühen islamischen Geschichte. Wasser war unberechenbar. Krankheiten waren gewiss. Selbst wenn das Heer auf der anderen Seite ankäme, müsste es in einer feindlichen Zone von ungeheurer Größe operieren, ohne Nachschublinien.

Al-Mansur hörte zu und ging dennoch weiter. Sein Kalkül war kühl: selbst wenn die Hälfte seines Heeres in der Wüste umkäme, könnte die andere Hälfte mit Feuerwaffen ein Songhai-Heer schlagen, und eine einzige erfolgreiche Besetzung würde genügen, um den Goldweg von den südlichen Karawanenstationen nach Marrakesch selbst umzulenken. Die Investition war gering. Der mögliche Ertrag war eine dauerhafte Kontrolle über die westafrikanische Goldförderung.

Und es kam noch etwas hinzu. Al-Mansur sah sich selbst als islamischen Reformer der Sahelzone. Er wusste vom langsamen Zerfall Songhais. Er sah die inneren Nachfolgekriege, die Klagen marokkanischer Händler über willkürliche Steuern an den Karawanenstationen, die religiösen Vorwürfe gegen die Askias als ungeeignete muslimische Herrscher. In seinen Augen war dies ein Dschihad: eine rechtmäßige Unterwerfung eines erschlafften Reiches unter die Autorität eines wahren islamischen Fürsten.

Das war Rhetorik, doch nicht nur Rhetorik. Al-Mansur ließ von seinen Hof-Ulama juristische Argumente ausarbeiten, um die Expedition als religiöse Pflicht zu rahmen. Das ist deshalb wichtig zu vermerken, weil der spätere Ahmad Baba ﵀ ebendiese Dschihad-Rechtfertigung in seinen Schriften aus der marokkanischen Verbannung anfechten sollte, in einem Akt geistiger Tapferkeit, der ihn unsterblich gemacht hat.

Judar Pascha und seine Männer

Den Befehl über die Expedition übertrug al-Mansur Judar Pascha, einem Mann, dessen Lebenslauf für sich genommen ein Mikrokosmos der mediterran-islamischen Welt jener Zeit ist. Judar war als Diego de Guevara geboren, ein Spanier aus Las Cuevas in Almería, als junger Knabe bei einem Seeüberfall gefangen genommen, in Marokko zum Islam bekehrt, kastriert, um als eunuchischer Diener am Hof zu wirken, und bis zum Rang eines Pascha aufgestiegen. Bei seinem Aufbruch in die Sahara war er noch keine fünfunddreißig Jahre alt.

Seine Truppen waren eine bunte Sammlung: türkische Janitscharen mit Musketen, andalusische Morisken-Arkebusenschützen, die nach 1492 aus Spanien vertrieben worden waren (viele von ihnen sprachen unter sich noch Spanisch), marokkanische Reiterei mit Säbeln und Lanzen, eine kleine englische Renegaten-Einheit als Artilleristen. Insgesamt etwa viertausend Kampftruppen, dazu Tausende von Bediensteten, Kameltreibern, Führern, Schmieden. Zusammen wahrscheinlich an die achttausend Seelen, die das Atlasgebirge überquerten.

Sie führten den Quellen zufolge sechs Geschütze (leichte Kanonen), etwa zweitausend Arkebusen und Musketen, Pulver und Munition für mehrere Schlachten und einen Vorrat an Nahrung und Wasser für vier Monate.

Die Reise begann im Oktober 1590 in Marrakesch. Die Route führte über Tafilalt, dann südwärts durch die westliche Sahara, über Taghaza und Taoudenni (Salzminen), dann über Araouane südwärts nach Timbuktu. Die Gesamtentfernung: etwa 2.500 Kilometer. Die Zeit: fünf Monate. Die Verluste: nach den meisten Quellen verlor die Expedition zwischen einem Drittel und der Hälfte ihrer Truppen unterwegs an Durst, Erschöpfung und Tuareg-Überfällen. Als sie Ende Februar 1591 am Niger eintraf, waren noch etwa viertausend einsatzfähige Krieger übrig.

Diese viertausend sollten genügen.

Askia Ishaq II.: ein König in der Falle

Askia Ishaq II. war 1591 noch kein Jahr auf dem Thron. Er hatte 1588 im Bürgerkrieg nach dem Tod Askia Muhammad Banis den Thron gewonnen, doch seine Stellung war umstritten. Mehrere seiner Vettern erhoben weiterhin Anspruch. Die Farmas der Küstenprovinzen zahlten nicht alle Tribute. Die Tuareg im Norden waren unruhig.

Als Späher Ishaq II. im Februar 1591 meldeten, dass ein marokkanisches Heer dem Niger entgegen rückte, unterschätzte er die Bedrohung. Wie können viertausend Männer, von einer Wüstenreise erschöpft, ein Reich von fünfeinhalb Millionen Einwohnern bedrohen? Er mobilisierte sein Heer, nach den geläufigen Quellen etwa vierzigtausend Mann, vornehmlich Reiter mit Lanzen und Bogen und eine Masse an Fußvolk mit Schwertern und Speeren. Er zog nach Nordwesten, um Judars Heer aufzufangen.

Die Konfrontation fand bei Tondibi statt, knapp fünfzig Kilometer nördlich von Gao, in einer offenen Ebene am Niger. Es war wahrscheinlich der 13. März 1591.

Die Schlacht

Stell dir vor: auf der einen Seite ein Songhai-Heer in Paradeaufstellung. Der Dendi-Fari befehligt den rechten Flügel, der Balama den linken; Askia Ishaq II. selbst in der Mitte, auf einem weißen Kamel mit vergoldetem Sattelzeug. Vor der Reiterei wird eine Reihe von Rinderherden aufgestellt, mehr als tausend Tiere. Der Plan: treibe das Vieh in die Linien der Marokkaner, damit ihre Formation zerfällt, und folge mit dem Reiter-Angriff.

Auf der anderen Seite Judar Paschas Truppen in einer dichten Karreeformation. Drei Reihen Arkebusenschützen tief, mit Geschützen an den Ecken. Die Morisken vorne, die Türken hinter ihnen. Judar selbst im Zentrum mit der Reserve.

Die Schlacht begann mit dem Rinderangriff. Doch Vieh ist nicht für Lärm trainiert. Als die Arkebusen ihre erste Salve abfeuerten, mit Hunderten Schüssen zugleich, Wolken von schwarzem Pulverrauch und dem dumpfen Schlag des Geschützes, kehrten die Rinder um. Sie stürmten nicht in die marokkanischen Reihen. Sie stürmten in die Songhai-Reihen zurück, in Panik, und zerschlugen die eigene Reiteraufstellung.

Bevor Ishaq II. sich neu ordnen konnte, rollten Judars Geschütze nach vorn, und eine zweite Salve aus Arkebusen wurde abgefeuert. Die Songhai-Reiterei, die sich nie auf Feuerwaffen in dieser Dichte vorbereitet hatte, zerfiel. Einzelne Reiter flohen. Andere versuchten, durch das Karree hindurchzustoßen, fielen jedoch zu Dutzenden unter den gebündelten Salven. Die Tarikh al-Sudan meldet, dass das Schlachtfeld binnen Stunden mit Toten übersät war, vornehmlich auf Songhai-Seite. Die Marokkaner verloren nach eigenen Angaben weniger als hundert Mann.

Askia Ishaq II. floh mit seinen verbliebenen Truppen südwärts in Richtung Dendi, wo er in den Sümpfen Zuflucht finden konnte. Er war nicht gefangen, doch sein Heer war als zentrale Kampfkraft ausgeschaltet. Der Weg nach Gao lag offen.

Die Einnahme der Städte

Judar Pascha marschierte nach Gao und nahm die Hauptstadt ohne nennenswerten Widerstand ein. Er war erschüttert von dem, was er vorfand: eine Stadt, gewiss, mit Palästen und Moscheen, doch weniger reich als Marrakesch, weniger imposant, als er erwartet hatte. Die Goldvorräte des Askia waren kleiner, als seine Berichte hatten vermuten lassen. Er schrieb einen enttäuschten Brief an al-Mansur: „Das Haus eines Eseltreibers in Marrakesch ist besser als der Palast des Askia."

Al-Mansur war nicht erheitert. Er ersetzte Judar bald durch Mahmud ibn Zarqun, einen härteren Mann, und wies ihn an, die Besetzung durchzuziehen. Djenné wurde eingenommen. Timbuktu wurde eingenommen. Die marokkanischen Garnisonen lagerten sich in den drei Hauptstädten des alten Songhai ein.

Das Besatzungsregime sollte in den folgenden Jahrzehnten als das Paschalik von Timbuktu bekannt werden, eine marokkanisch-andalusische militärische Kolonie, die nominell Marrakesch gehorchte, jedoch binnen dreißig Jahren faktisch eigenständig wurde. Die Nachkommen der Morisken-Soldaten blieben in den Städten und bildeten allmählich eine neue Bevölkerungsgruppe, die Arma (nach dem arabischen ar-Rumi oder dem spanischen arma für Waffe), die bis ins neunzehnte Jahrhundert eine erkennbare Bevölkerungsgruppe in Timbuktu bleiben sollte.

Die Deportation der Gelehrten

Hier müssen wir innehalten. Dies ist das Ereignis, das die Erinnerung an 1591 mehr als jedes andere in die Geschichte des Islam eingebrannt hat.

Im Oktober 1593 gab Mahmud ibn Zarqun auf Befehl al-Mansurs den Befehl, die Gelehrten Timbuktus in Ketten zu legen und nach Marokko zu deportieren. Anlass war Unruhe in der Stadt, möglicherweise eine Gelehrten-Koalition, die gegen die Besetzung predigte. Etwa siebzig führende Gelehrte, darunter Ahmad Baba ﵀ selbst und seine Familie, wurden verhaftet und auf eine Karawane nach Norden gesetzt.

Die Reise war brutal. Nach Ahmad Babas eigenem späterem Zeugnis kamen viele unterwegs um. Die Gruppe traf im Mai 1594 in Marrakesch ein, nach einer Reise, die Monate gedauert hatte und in der die Gelehrten gezwungen waren, zu Fuß, in Ketten, durch die Sahara zu gehen. Ahmad Baba ﵀ sollte später schreiben, dass seine Bücher, seine Bibliothek von 1.600 Bänden, die er sorgfältig aufgebaut hatte, geplündert worden waren, und dass er bei seinen Brüdern in marokkanischer Sicherheit dennoch der Ärmste unter den Armen war, „denn ich kam ohne meine Bücher an".

Denke einen Augenblick darüber nach. Für einen Gelehrten sind seine Bücher seine Welt. Die Verschleppung von Ahmad Babas Bibliothek war für ihn ebenso traumatisch wie jede körperliche Misshandlung. In seinen Briefen aus Marokko klingt eine Trauer, die kein anderer Verlust gleichkommt.

In Marrakesch wurde Ahmad Baba ﵀ zunächst gefangen gehalten. Doch al-Mansur, dem an religiöser Legitimität gelegen war, konnte es sich auf Dauer nicht erlauben, den größten westafrikanischen Gelehrten in Fesseln zu halten. Ahmad Baba ﵀ wurde freigelassen, erhielt Hausarrest in Marrakesch und begann dort eine ganz neue Phase seiner Produktivität. Er hielt Vorlesungen, empfing Schüler aus dem gesamten Maghreb, debattierte mit den marokkanischen Ulama und schrieb einige seiner bedeutendsten Werke.

Miʿradsch as-Suʿud: die widerstrebende Feder

Eines dieser Werke verdient unsere besondere Aufmerksamkeit. Es heißt Miʿradsch as-Suʿud (Die Leiter des Aufstiegs), und es ist eine juristische Abhandlung über die Sklaverei. Es wurde um 1615 in Marrakesch verfasst.

Der Hintergrund: der marokkanische Sklavenmarkt hatte im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert Zehntausende Sklaven aus Westafrika aufgenommen, viele von ihnen verkauft unter dem Vorwand, sie seien „Ungläubige", die während eines Dschihad gefangen genommen worden seien. Das war juristisch zweifelhaft. Viele dieser Sklaven waren Muslime, in muslimischen Gemeinschaften geboren, von Händlern verkauft, die sich um ihren religiösen Status nicht kümmerten.

Ahmad Baba ﵀ schrieb aus seiner eigenen Erfahrung der Zwangsdeportation aus seiner islamischen Stadt durch einen islamischen Fürsten ein scharfes Rechtsgutachten. Er stellte fest, dass die Bekehrung zum Islam die Sklaverei aufhebt, nicht automatisch, doch juristisch. Er stellte fest, dass die Händler, die Muslime als Sklaven verkauften, gegen die malikitische Rechtsschule handelten. Er stellte fest, dass viele westafrikanische Gemeinschaften, namentlich die Soninke, Songhai, Fulbe und Hausa, seit Generationen Muslime waren, und dass ihre Angehörigen daher nicht rechtmäßig zu Sklaven gemacht werden konnten.

Miʿradsch as-Suʿud wurde in Nordafrika und im Nahen Osten gelesen und bis ins achtzehnte Jahrhundert zitiert. Es ist einer der frühesten systematischen juristischen Einwände gegen das, was ein schwarzer Gelehrter als Unrecht im islamischen Sklavenhandel seiner eigenen Zeit erkannte. Dies ist für uns hier in diesem Publikum von Belang, weil es ein Zeugnis der intellektuellen Tradition ist, in der unsere Vorfahren standen. Ahmad Baba ﵀ schrieb gegen jenen Handel, der einen Teil eben dieser Vorfahren mitreißen sollte.

Er starb 1627, zurück in Timbuktu, wo er nach al-Mansurs Tod seine letzten Jahre verbringen durfte.

Was 1591 zerbrach

Tondibi und seine Nachwirkungen haben Westafrika im Wesentlichen bis zum Aufkommen der Dschihad-Bewegungen des neunzehnten Jahrhunderts (Usman dan Fodio ﵀ und Sokoto, die Reform Hamdullahis unter Seku Ahmadu, der Mande-Dschihad al-Hadsch ʿUmar Tals) von einem Kontinent imperialer islamischer Staatenbildung in einen Kontinent lokaler, fragmentarischer islamischer Staaten verwandelt.

Die große transsaharische Handelsachse riss nie vollständig ab. Die Salzrouten blieben bestehen. Die islamische Gelehrtentradition in Timbuktu, Djenné und anderswo lebte weiter, wenngleich nie wieder auf demselben Niveau wie unter den Askias. Doch das große Modell, eine zentrale Verwaltung, ein stehendes Heer, eine vereinheitlichte Rechtsprechung, eine systematische Steuererhebung, eine diplomatische Stellung in der internationalen islamischen Ordnung, dieses Modell erwachte erst zwei Jahrhunderte später erneut zum Leben, im Sokoto-Kalifat des Usman dan Fodio ab 1804.

Zwischen 1591 und 1804: eine Zeit der Paschalik-Zersplitterung, aufkommender lokaler nicht-muslimischer Staaten wie Segou und Kaarta, eines sich zuspitzenden atlantischen Sklavenhandels und einer langsamen Verlagerung des wirtschaftlichen Schwerpunktes von der Sahelzone an die Küste.

Dies ist das Ende des ersten Teils unseres Vortrags. Was wir heute Abend bislang besprochen haben, vom Niger, der eine Zivilisation nährte, über Ghana und Mali und die Hadsch Mansa Musas, über Sunni Ali und Askia Muhammad bis zum Sturz bei Tondibi, ist die Erzählung des ersten westafrikanischen islamischen Zeitalters. Eines Zeitalters, in dem unsere Vorfahren Imperien errichteten, Bibliotheken aufbauten, Gesetze entwarfen, Gesandte nach Kairo und Marrakesch entsandten.

Die Tür zum zweiten Teil

Was nach 1591 kommt, ist die Erzählung, die viele in diesem Publikum persönlich angeht. Die Jahrhunderte, in denen Westafrika politisch zersplitterte, während gleichzeitig die europäische Nachfrage nach afrikanischer Arbeitskraft exponentiell wuchs. Die Jahrhunderte, in denen unsere Vorfahren, Akan, Wolof, Fulbe, Mande, Igbo, Yoruba, gezwungen die atlantische Passage antraten, nach Suriname, Curaçao, Aruba, Trinidad, Jamaika, Brasilien. Die Jahrhunderte, in denen die islamische Identität, die sie bisweilen mit sich trugen, unter extremen Druck geriet, häufig verschwand, manchmal in verborgenen Formen überlebte.

Und dann, im neunzehnten Jahrhundert, die großen Dschihad-Bewegungen. Usman dan Fodio ﵀, der Sokoto gründete. Al-Hadsch ʿUmar Tal ﵀, der seinen eigenen Staat baute. Samory Touré, der der französischen Kolonisierung bis zuletzt Widerstand leistete. Der Mahdi im Sudan. Der Islam, weit entfernt davon, in Westafrika erloschen zu sein, blühte gerade wieder auf, nun als Antwort auf inneren wie äußeren Druck.

Das ist der zweite Teil. Das ist die andere Hälfte unseres Abends.

Doch für jetzt, mit Tondibi hinter uns und der Deportation Ahmad Babas ﵀ als emotionalem Wendepunkt, schließe ich diesen ersten Teil. Das erste große westafrikanische islamische Zeitalter, von den Sorko des fünften Jahrhunderts am Niger bis zum Askia des sechzehnten Jahrhunderts auf seinem Thron, ist beendet. Was folgt, ist eine andere Welt, eine zerbrochene Welt, eine Welt, in der unsere Vorfahren dennoch trugen, was sie tragen konnten.

Das war keine primitive Vergangenheit. Das war eine Zivilisation.

Und dies, liebe Anwesende, ist nicht das Ende der Erzählung. Es ist erst die Hälfte.


Quellen

  • ʿAbd ar-Rahman as-Saʿdi ﵀, Tarikh as-Sudan, Kapitel 21 und 24 über die Ankunft von Pascha Jawdar, die Schlacht bei Tondibi und die Verhaftung der Gelehrten von Timbuktu, in der Übersetzung von Hunwick, pp. 186–193, 219–221, 223–225.
  • Mulay Ahmad al-Mansur, der Brief an Askia Ishaq II. vom Safar 998/Dezember 1589 über den kharaj auf das Salz von Taghaza, die Feldzüge und den Jihad, in der Übersetzung von Hunwick, pp. 294–295.
  • Muhammad as-Saghir al-Ifrani ﵀, Nuzhat al-hadi (kurz vor 1724), der marokkanische Bericht über die Eroberung, die Fatwa der Gelehrten über die Bergwerke und die Audienz Ahmad Babas ﵀ bei al-Mansur, in der Übersetzung von Hunwick, pp. 310, 312, 314–316.
  • Der anonyme Spanier (Marokko, 1591), der Bericht über Jawdars Heer, den Zug durch die Sahara, die Schlacht und die Einnahme von Gao, in der Übersetzung von Hunwick, pp. 319–320, 323–324.
  • Ahmad Baba al-Timbukti ﵀, sein eigenes Zeugnis über die sechzehnhundert Bände seiner Bibliothek und der Vorwurf an al-Mansur wegen seines geplünderten Besitzes und der Reise in Ketten, zitiert bei Hunwick, pp. 315–316.
  • Ahmad Baba al-Timbukti ﵀, Miʿraj al-suʿud (1024/1615), die Abhandlung, dass Unglaube der einzige Grund für Versklavung ist und dass die Menschen von Kano, Katsina, Bornu und Songhay als Muslime nicht versklavt werden dürfen, zitiert bei Gomez, pp. 304–306, und bei Hunwick, p. lxi.
  • John O. Hunwick (Übers.), Timbuktu and the Songhay Empire: al-Saʿdi’s Taʾrikh al-sudan down to 1613 and other contemporary documents, Brill, Leiden 2003 (2. Aufl.; 1. Aufl. 1999), pp. lxi, lxiii, 155, 166, 186–193, 219–221, 223–225, 294–295, 310, 312, 314–316, 319–320, 323–324, 337.
    • pp. 155, 166: ʿAbd al-Malik, der im August 1578 im Augenblick seines Sieges über die Portugiesen bei al-Qasr al-Kabir starb; die Beinamen al-Mansur und al-Dhahabi; das arabische al-rumah, Schützen, das als arma zum Namen der marokkanischen Elite von Timbuktu wurde.
    • pp. 186–189 (TS Kap. 21): Jawdar als Eunuch aus Cuevas del Almanzora in Almería; der Spion, der drei Jahre in Gao saß; der Brief vom Dezember 1589 und Ishaqs Antwort mit einem Speer und zwei eisernen Schuhen; die dreitausend Musketiere mit doppelt so vielen Hilfstruppen, nach dem Spanier 4.070 Kämpfer, die im Oktober oder November 1590 aufbrachen; die Ankunft am Niger am 28. Februar 1591, östlich an Arawan vorbei; der Askia bei Tondibi, achtundvierzig Kilometer nördlich von Gao, mit zwölftausendfünfhundert Reitern und dreißigtausend Mann Fußvolk.
    • pp. 190–193: die Schlacht vom 13. März 1591, in der das Heer der Songhay in einem Augenblick brach und die Soldaten auf ihren Schilden sitzend getötet wurden; Ishaqs Flucht über den Fluss und die Räumung von Gao; der Palast, der Jawdar enttäuschte, das Friedensangebot von hunderttausend mithqal und tausend Sklaven und der Brief über das Haus des Vorstehers der Eseltreiber; der Einzug in Timbuktu am 30. Mai 1591; der Raub von Besitz und freien Menschen nach 1591 und die heidnischen Bambara, die das Land von Djenné verwüsteten.
    • pp. 219–221, 223–225 (TS Kap. 24): die Verhaftung der Juristen in der Sankore-Moschee am 19. Oktober 1593, die vierzehn an Ort und Stelle Getöteten, die Plünderung und die sechs Monate in der Festung; al-Mansurs früherer Befehl, sie gefesselt zu ihm zu schicken; der Aufbruch am 18. März 1594 und die Ankunft in Marrakesch am 21. Mai 1594; die Freilassung am 19. Mai 1596 und die Rückkehr Ahmad Babas ﵀ im Jahr 1608.
    • pp. 294–295, 310, 312: der Brief vom Dezember 1589 über die Steuer auf das Salz für Feldzüge und Jihad; die Gelehrten von Marrakesch, die urteilten, dass die Verfügung über Bergwerke allein dem Imam zusteht; der einmütige Beschluss des Staatsrats und der Aufbruch aus Marrakesch am 25. Oktober 1590; die 104.000 Kämpfer, die al-Fishtali Ishaq zuschreibt.
    • pp. 314–316: Jawdar, der durch Pascha Mahmud den Oberbefehl verlor; al-Mansur der Goldene wegen des Goldstroms; die zwölfhundert Sklaven und vierzig Ladungen Goldstaub; die sechzehnhundert Bände; die Audienz, in der Ahmad Baba ﵀ al-Mansur seinen geplünderten Besitz, seine zerstörte Bibliothek und die Reise in Ketten vorhielt; die Freilassung unter der Bedingung, in Marrakesch zu bleiben, die Lehrtätigkeit und die Rückkehr unter Zaydan.
    • pp. 319–320, 323–324: Jawdar als junger Renegat aus Las Cuevas, im Palast aufgezogen; tausend Renegaten- und tausend andalusische Musketiere, fünfhundert Spahis, fünfzehnhundert Lanzenreiter und siebzig christliche Gefangene mit Donnerbüchsen; vier kleine Kanonen und zehn Mörser; die Durchquerung von vierzig Tagen; die Rinder, die die Songhay vor sich hertrieben und die Jawdar durch seine geöffneten Reihen ziehen ließ; das Gao, in dem kein Gold gefunden wurde.
    • pp. lxi, lxiii, 337: der Miʿraj al-suʿud, geschrieben 1615; der Tod Ahmad Babas ﵀ im Jahr 1627; Ishaq II. am 13. März 1591 geschlagen und danach von seinem Bruder Muhammad Gao abgesetzt; Nuh, der den Widerstand in Dendi führte.
  • Michael A. Gomez, African Dominion: A New History of Empire in Early and Medieval West Africa, Princeton University Press, Princeton 2018, pp. 65, 304–306, 315, 332, 338, 364–365.
    • pp. 364–365: das Invasionsheer, das zu einem beträchtlichen Teil europäisch, vor allem spanisch war; der Aufbruch im November 1590, der Niger am 28. Februar und die Schlacht am 13. März 1591 bei Tankondibogho; die weit auseinandergehenden Schätzungen des Songhay-Heeres; Mahmud ibn Zarqun, der Jawdar am 17. August 1591 ablöste; die Schlacht bei Zanzan am 14. Oktober und Ishaqs Flucht nach Dendi; die Besatzung, die vom Sultan unabhängig wurde und Marionetten-Askias einsetzte.
    • pp. 304–306: der Miʿraj al-suʿud von 1024/1615, geschrieben nach dem Exil von 1593 bis 1608; Unglaube als einziger Grund für Versklavung; Bornu, Kano, Songhay, Katsina, Gobir, Mali und die meisten Fulbe als Muslime; die 107 muslimischen Stämme und die einunddreißig Gruppen von Ungläubigen, darunter die Bambara.
    • pp. 65, 315, 332, 338: die Bambara von Segu, die die malischen Herrscher zurückdrängten, und die ungläubigen Bambara der Chroniken; die Zunahme des Sklavenhandels während des Niedergangs und die aufkommende europäische Nachfrage an der Küste; die zweihundertfünfzigtausend Afrikaner, die bis zur Mitte des sechzehnten Jahrhunderts über den Atlantik ausgeführt worden waren.
  • Mervyn Hiskett, The Sword of Truth: The Life and Times of the Shehu Usuman dan Fodio, Oxford University Press, New York 1973, p. 78.
    • p. 78: die Marokkaner, die die Songhay bei Tondibi 1591 mit Feuerwaffen schlugen.

Verweise

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