Die Schlacht von Badr war ein Wendepunkt in der Geschichte des Islam. Mit nur 313 Mann gegen beinahe 1000 quraischitische Kämpfer hatten die Muslime mit der Hilfe Allahs ﷻ und Seiner Engel einen überwältigenden Sieg errungen. Doch die Nachwirkungen der Schlacht brachten neue Herausforderungen mit sich: Was sollte mit 70 Kriegsgefangenen geschehen, wie sollte die Kriegsbeute verteilt werden, und wie war mit den politischen Folgen dieses unerwarteten Sieges umzugehen? Insgesamt töteten sie 70 Vielgötteranbeter und nahmen 70 weitere gefangen.
Das Bemerkenswerteste an dem Sieg war, dass es gerade die Anführer und prominenten Persönlichkeiten waren, die gefallen oder gefangen genommen worden waren. Auf Seiten der Muslime fielen 14 Schuhada (Märtyrer), 6 von den Muhadschirun und 8 von den Ansar. Der Prophet ﷺ beauftragte Abdullah ibn Rawaha und Zaid ibn Haritha, mit der frohen Botschaft nach Medina zurückzukehren. Der Prophet ﷺ selbst blieb noch drei Tage in Badr, und wie von Anas ibn Malik ﵁ überliefert wurde, war dies nicht spezifisch für Badr:
Wahrlich, wenn der Prophet ﷺ ein Volk besiegt hatte, blieb er drei Nächte auf dem Schlachtfeld.
Dies hatte verschiedene Gründe:
1. Er ﷺ wollte sich vergewissern, dass die Schlacht tatsächlich entschieden war. Indem er noch auf dem Schlachtfeld blieb, konnte sichergestellt werden, dass keine fliehenden feindlichen Kämpfer mehr anwesend waren und dass diese, falls vorhanden, sich tatsächlich auf dem Heimweg befanden. Es diente auch dazu, die Gefangenen zusammenzuführen.
2. Die Bestattung der Toten Die Märtyrer mussten begraben werden, was an Ort und Stelle auf dem Schlachtfeld geschah. Auch im Falle Badrs wurde keiner der Märtyrer außerhalb von Badr beigesetzt.
3. Die Kriegsbeute Auch das Sammeln und Ordnen der Kriegsbeute brauchte Zeit. Es musste jemand bestimmt werden, der diese Aufgabe übernahm. Diese Person sorgte dafür, dass die Kriegsbeute auf rechte Weise unter den Kämpfern verteilt wurde. Im Falle Badrs wurde diese Aufgabe Kaʿb al-Ansari ﵁ übertragen.
4. Ruhe Nach gewonnenem Kampf wollte der Prophet ﷺ seinen Männern Zeit für eine wohlverdiente Ruhe geben und die Möglichkeit, sich über die Schlacht und den Sieg auszutauschen. Auch konnten die Verwundeten versorgt werden.
5. Identifizierung der gefallenen Feinde Schließlich war auch Zeit nötig, um die Leichen der Gefallenen zusammenzutragen und zu identifizieren, um sie anschließend zu beseitigen. Mitunter kam es auch vor, dass dabei noch Verwundete aufgefunden wurden.
Im Falle Badrs wies der Prophet ﷺ an, die Leichen der Vielgötteranbeter in einen der Brunnen Mekkas zu werfen. Der Prophet ﷺ stand über dem Brunnen und sprach:
Prophet ﷺ: O ʿUtba ibn Rabiʿa, o Schaiba ibn Rabiʿa, o Umayya ibn Khalaf, o Abu Dschahl ibn Hischam, o so und so, habt ihr gefunden, was euer Herr euch verheißen hat als Wahrheit, denn fürwahr, ich habe gefunden, was mein Herr mir verheißen hat als Wahrheit.
ʿUmar ibn al-Khattab ﵁: O Gesandter Allahs, warum sprichst du Menschen an, die bereits zu verwesen begonnen haben?
Prophet ﷺ: Bei Demjenigen, in dessen Hand die Seele Muhammads ist, ihr hört nicht deutlicher, was ich zu ihnen sage, als sie; der einzige Unterschied ist, dass sie nicht imstande sind, mir zu antworten.
Uneinigkeit über die Beute und die Gefangenen
ʿUbada ibn as-Samit ﵁ sagte:
Wir zogen mit dem Propheten ﷺ aus, und ich nahm an Badr teil. Die beiden Gruppen zogen in den Kampf, und Allah ﷻ bestimmte für den Feind eine Niederlage. Einige von uns nahmen die Verfolgung auf, um die fliehenden Feinde zu töten. Andere hielten sich in den Lagern des Feindes auf und sammelten dessen Habseligkeiten ein. Wieder andere standen Wache beim Propheten ﷺ, um zu verhindern, dass der Feind unerwartet zuschlagen könnte. Alle drei Gruppen gingen ihren jeweiligen Aufgaben nach, bis der Abend hereinbrach und sich alle versammelten. Diejenigen, die die Beute eingesammelt hatten, sagten: „Wir waren es, die sie eingesammelt haben, also kann niemand sonst Anspruch erheben." Diejenigen, die dem Feind nachgesetzt waren, sagten: „Ihr habt sie nicht mehr verdient als wir. Wir haben den Feind vertrieben und ihn gezwungen, seine Habe zurückzulassen." Und diejenigen, die beim Propheten ﷺ Wache gestanden hatten, sagten: „Ihr habt die Beute nicht mehr verdient als wir. Wir hielten Wache beim Gesandten Allahs ﷺ, aus Sorge, dass der Feind ihn unerwartet angreifen könnte. Damit waren wir beschäftigt."
Der folgende Vers wurde offenbart:
يَسۡـَٔلُونَكَ عَنِ ٱلۡأَنفَالِۖ قُلِ ٱلۡأَنفَالُ لِلَّهِ وَٱلرَّسُولِۖ فَٱتَّقُواْ ٱللَّهَ وَأَصۡلِحُواْ ذَاتَ بَيۡنِكُمۡۖ وَأَطِيعُواْ ٱللَّهَ وَرَسُولَهُۥٓ إِن كُنتُم مُّؤۡمِنِينَ
Sie fragen dich (o Muhammad) nach der Kriegsbeute. Sprich: „Die Kriegsbeute gehört Allah und Seinem Gesandten." So fürchtet Allah und schlichtet alle Streitigkeiten unter euch und gehorcht Allah und Seinem Gesandten, wenn ihr Gläubige seid.
Sure al-Anfal: 1
In einer anderen Überlieferung wurde ʿUbada ﵁ über diese Sure befragt, und er ﵁ berichtete darüber:
Sie wurde für uns offenbart, die Leute von Badr. Wir hatten einen Streit über die Beute und legten dabei schlechtes Benehmen an den Tag. Daraufhin nahm Allah die Beute von uns und gab sie dem Gesandten Allahs ﷺ, der die Beute anschließend gerecht unter uns verteilte.
Zu Beginn der Verse von Sure al-Anfal stellt Allah ﷻ klar, dass die Beute nun nicht länger von einzelnen Kämpfern kontrolliert wurde, sondern dass Allah ﷻ und Sein Gesandter ﷺ darüber bestimmten. Die Gläubigen mussten sich dem unterwerfen und mit der Verteilung zufrieden sein. Allah ﷻ offenbarte später in der Sure den Vers:
وَٱعۡلَمُوٓاْ أَنَّمَا غَنِمۡتُم مِّن شَيۡءٖ فَأَنَّ لِلَّهِ خُمُسَهُۥ وَلِلرَّسُولِ وَلِذِي ٱلۡقُرۡبَىٰ وَٱلۡيَتَٰمَىٰ وَٱلۡمَسَٰكِينِ وَٱبۡنِ ٱلسَّبِيلِ إِن كُنتُمۡ ءَامَنتُم بِٱللَّهِ وَمَآ أَنزَلۡنَا عَلَىٰ عَبۡدِنَا يَوۡمَ ٱلۡفُرۡقَانِ يَوۡمَ ٱلۡتَقَى ٱلۡجَمۡعَانِۗ وَٱللَّهُ عَلَىٰ كُلِّ شَيۡءٖ قَدِيرٌ
Und wisset, dass von allem, was ihr an Beute erlangt, wahrlich ein Fünftel davon Allah gehört, und dem Gesandten, und den nahen Verwandten und den Waisen, und den Armen, die betteln, und dem Reisenden; wenn ihr an Allah glaubt und an das, was Wir auf Unseren Diener herabgesandt haben am Tag der Unterscheidung, dem Tag, an dem die beiden Heere aufeinandertrafen – und Allah hat Macht über alle Dinge.
Sure al-Anfal
Diese Offenbarung reinigte die Gefährten ﵁ von Habgier, Geiz und ähnlichen weltlichen Begierden. Sie ließen nur Raum übrig für Aufrichtigkeit gegenüber Allah ﷻ; deshalb schenkte Allah ﷻ ihnen nicht nur den Sieg, sondern gab ihnen mehr, als sie ursprünglich begehrt und erwartet hatten. ʿAbdullah ibn ʿAmr ﵁ sagte:
Der Gesandte Allahs ﷺ zog am Tag von Badr in Begleitung von 315 Männern seiner Gefährten aus. Als er ﷺ Badr erreichte, sprach der Prophet ﷺ: „O Allah, sie sind hungrig, mache sie satt. O Allah, sie sind barfuß, versorge sie mit Reittieren, auf denen sie reiten können. O Allah, sie sind unbekleidet, so kleide sie." Allah ﷻ schenkte ihnen daraufhin am Tag von Badr den Sieg, und zwar so, dass jeder bekleidet war und mit ein oder zwei Kamelen zurückkehrte.
Der Prophet ﷺ gab auch einen Teil der Beute jenen, die nicht aktiv an Badr teilnahmen, weil der Prophet ﷺ ihnen eine bestimmte Aufgabe übertragen hatte. Sie wurden dadurch hinsichtlich der Verteilung der Beute denjenigen gleichgestellt, die aktiv teilnahmen.
Die Wirtschaft Medinas erholte sich nach der Schlacht von Badr vollständig. Während der etwa 19 Monate, die die Muslime in Medina lebten, hatten sie es wirtschaftlich schwer gehabt. Die Kriegsbeute in Medina sorgte dafür, dass sie kurzfristig auf eigenen Beinen stehen konnten, aber auch dafür, ihre wirtschaftliche Lage langfristig weiterzuentwickeln.
Kriegsgefangene
Ibn ʿAbbas ﵁ überlieferte:
Gesandter Allahs ﷺ: Was sollten wir deiner Meinung nach mit diesen Gefangenen tun?
Abu Bakr ﵁: O Prophet Allahs, dies sind unsere Vettern und Stammesangehörigen; ich bin der Ansicht, dass wir Lösegeld für sie verlangen sollten, und dadurch werden wir Macht über die Ungläubigen erlangen. Und vielleicht wird Allah sie zum Islam leiten.
Gesandter Allahs ﷺ: ʿUmar, was meinst du, o Sohn al-Khattabs?
ʿUmar ﵁: Nein, o Gesandter Allahs. Ich bin nicht einverstanden mit Abu Bakr. Stattdessen denke ich, dass du uns Vollmacht über sie geben solltest, damit wir ihnen die Hälse abschlagen können. Gib daher ʿAli die Vollmacht über ʿAqil, damit er ihm den Hals abschlagen kann. Ebenso gib mir die Vollmacht über (den und den), damit ich ihm den Hals abschlagen kann. Denn wahrlich, sie sind die Anführer und Vorsteher des Unglaubens.
ʿUmar ﵁ erzählte später, dass der Prophet ﷺ nicht zu seinem Vorschlag neigte, sondern zu dem, was Abu Bakr ﵁ gesagt hatte. Am nächsten Tag kam ʿUmar zum Propheten ﷺ und Abu Bakr ﵁, und beide saßen weinend da.
ʿUmar ﵁: O Gesandter Allahs, sage mir, weshalb ihr beiden weint? Wenn ich imstande bin zu weinen, werde ich auch weinen. Und wenn ich keine Tränen habe, werde ich so tun, als ob ich weine, weil ich euch weinen sehe.
Gesandter Allahs ﷺ: Ich weine wegen dessen, was deine Gefährten mir bezüglich des Forderns von Lösegeld geraten haben. Allah ﷻ offenbarte daraufhin: „Es steht einem Propheten nicht zu, dass er Kriegsgefangene hat, bis er (die Feinde) auf Erden niedergeworfen hat. Ihr begehrt die Vergänglichkeit dieser Welt, doch Allah begehrt (für euch) das Jenseits. Und Allah ist Allmächtig, Allweise."
Allah ﷻ verlangt in diesem Vers, dass in einer Phase, in der ein Staat im Aufbau ist, keine Weichheit oder Anzeichen von Schwäche gezeigt werden dürfen, da der Feind sonst keine Furcht haben und schnell wieder angreifen wollen würde.
Angesichts der Verbrechen, welche die Anführer der Quraisch begangen hatten, ging der Prophet ﷺ in seiner Behandlung der Gefangenen sehr nachsichtig und barmherzig vor. Einige von ihnen ließ er frei, nachdem sie Lösegeld gezahlt hatten, andere ließ er aus reiner Barmherzigkeit frei, ohne Lösegeld von ihnen anzunehmen. Wieder andere ließ er frei, nachdem sie zuvor zehn Muslimen Lesen und Schreiben beigebracht hatten.
Es gab auch Quraischiten, mit denen der Prophet ﷺ auf harte Weise abrechnen musste. Es handelt sich um ʿUqba ibn Abi Muʿait und an-Nadr ibn al-Harith, zwei der größten Feinde des Islam. Hätte man sie am Leben gelassen, hätten sie zweifellos den Krieg gegen den Islam mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln fortgesetzt. Es war in dieser Phase der Daʿwa nicht klug, sie freizulassen, weshalb der Prophet ﷺ den Befehl erteilte, sie hinzurichten. Als ʿUqba erfuhr, dass er hingerichtet werden sollte, sagte er:
ʿUqba: Wehe mir! O Leute der Quraisch, warum werde ich aus all den Gefangenen hier ausgewählt, um getötet zu werden!
Prophet ﷺ: Wegen deiner Feindschaft gegen Allah und Seinen Gesandten.
ʿUqba: O Muhammad, es ist besser für dich, mir Freundlichkeit zu erweisen. Behandle mich wie jeden anderen Mann meines Volkes. Wenn du sie tötest, dann töte auch mich. Wenn du Lösegeld für sie verlangst, dann werde ich wie sie sein. O Muhammad, wer wird sich um meine Kinder kümmern?
Bringt ihn nach vorn, o ʿAsim. Und ʿAsim brachte ihn nach vorn und versetzte ihm einen Schlag in den Nacken.
Was an-Nadr ibn al-Harith betrifft, so war auch er einer der verachtenswertesten und teuflischsten Quraischiten. Er stammte ursprünglich aus Hira, wo er mit den Geschichten vertraut wurde, die an den Höfen der Könige erzählt wurden. Wenn der Prophet ﷺ eine Versammlung abhielt, um die Menschen vor der Strafe für vorangegangene Völker zu warnen, war der Prophet ﷺ kaum gegangen, da setzte sich an-Nadr auf seinen Platz und sprach:
Bei Allah, o Leute der Quraisch, ich habe Besseres zu erzählen als er. Setzt euch um mich, und ich werde euch das erzählen, was besser ist.
Er erzählte dann Geschichten über die Könige Persiens, Rustam und Esfandiyar, und sagte dann:
Was macht Muhammads Rede besser als meine?
Dies, in Verbindung mit der Verfolgung von Muslimen, erforderte ein angemessenes Vorgehen, und aus diesem Grund wurde auch er auf Befehl des Propheten ﷺ hingerichtet. Es war ʿAli, der die Hinrichtung vollstreckte.
Die Behandlung der Kriegsgefangenen von Badr war in der arabischen Welt beispiellos. In einer Zeit, in der Gefangene routinemäßig gefoltert, als Sklaven verkauft oder schlicht getötet wurden, setzte der Prophet ﷺ einen Maßstab, der Jahrhunderte später noch als Beispiel der Barmherzigkeit in Kriegszeiten angeführt werden sollte. Er ﷺ gab den Befehl: „Behandelt die Gefangenen gut." Die Gefährten ﵃ nahmen diesen Befehl so ernst, dass sie ihr eigenes Essen zugunsten ihrer Gefangenen aufgaben.
Im Allgemeinen wurden die Gefangenen sehr gut behandelt. Allah ﷻ sagt:
وَيُطۡعِمُونَ ٱلطَّعَامَ عَلَىٰ حُبِّهِۦ مِسۡكِينٗا وَيَتِيمٗا وَأَسِيرًا
Und sie geben Speise, obgleich sie diese lieben, dem Armen, der Waise und dem Gefangenen.
Sure al-Insan
Der Bruder von Musʿab ibn ʿUmair ﵁, damals noch kein Muslim, und einer der Gefangenen von Badr, sagte:
Ich war einer der Gefangenen von Badr, und der Prophet ﷺ sagte: Behandelt die Gefangenen gut. Ich war in der Obhut einer Gruppe von Männern der Ansar. Wenn sie ihr Mittag- oder Abendessen einnahmen, nahmen sie Datteln und gaben mir Weizen (was als besser angesehen wurde als Datteln). Dies geschah, weil der Prophet ﷺ dazu anhielt.
Abu al-ʿAs ibn Rabiʿa ﵁, ebenfalls ein Gefangener bei Badr, sagte:
Ich war in der Obhut einer Gruppe von Männern der Ansar. Wenn die Zeit für das Mittag- oder Abendessen kam, gaben sie mir Brot, während sie selbst Datteln aßen, obwohl sie nur wenig Brot bei sich hatten und bereits jeden Tag Datteln aßen. Sie sorgten so gut für mich, dass sie, wenn sie Brot in die Hände bekamen, dieses an mich weitergaben, damit ich es äße.
Al-Walid sagte ähnliche Worte, fügte aber hinzu, dass:
Sie uns reiten ließen, während sie selbst gingen.
Diese Behandlung führte dazu, dass einige der Edlen der Quraisch den Islam annahmen oder zumindest Wertschätzung für die Lehren des Islam hinsichtlich der Barmherzigkeit entwickelten.
Die Heuchler
Nach der Schlacht von Badr wurden die Muslime stärker, vor allem aus der Sicht des Feindes. Wenn Menschen Medina angreifen wollten, ob nun Quraisch oder ein anderer Stamm, würden sie zweimal nachdenken, bevor sie dies täten. Auch Medina veränderte sich enorm: Während einige Ureinwohner Medinas zuvor ihren Unglauben und ihre Feindseligkeit gegenüber dem Islam offen zu äußern wagten, hatte Badr dies verändert. Menschen, die ihren Unglauben im Herzen trugen, begannen ihren Islam offen in der Anwesenheit des Propheten ﷺ und seiner Gefährten ﵃ zu verkünden. Selbstverständlich blieben sie Ungläubige, und diese Menschen wurden als die Heuchler bekannt. Allah ﷻ sagt:
مُّذَبۡذَبِينَ بَيۡنَ ذَٰلِكَ لَآ إِلَىٰ هَٰٓؤُلَآءِ وَلَآ إِلَىٰ هَٰٓؤُلَآءِۚ وَمَن يُضۡلِلِ ٱللَّهُ فَلَن تَجِدَ لَهُۥ سَبِيلٗا
(Sie) schwanken hin und her und gehören weder zu diesen noch zu jenen. Und für denjenigen, den Allah in die Irre gehen lässt, wirst du niemals einen Weg finden.
Sure an-Nisaʾ 143
Aufgrund der Bedrohung, die die Heuchler von Medina aus darstellten, werden sie im Koran ausführlich behandelt, worin Allah ﷻ sie vor der Strafe warnt, die sie im Jenseits erwartet:
إِنَّ ٱلۡمُنَٰفِقِينَ فِي ٱلدَّرۡكِ ٱلۡأَسۡفَلِ مِنَ ٱلنَّارِ وَلَن تَجِدَ لَهُمۡ نَصِيرًا
Wahrlich, die Heuchler werden in der untersten Tiefe des Feuers sein, und du wirst keinen Helfer für sie finden.
Sure an-Nisaʾ 145
Eines der Ergebnisse von Badr war, dass der Iman der Muslime, die bereits Iman hatten, stärker wurde. Die Ereignisse von Badr hatten sogar dafür gesorgt, dass viele ungläubige Quraischiten die Wahrheit erkannten und den Islam annahmen. Dass bestimmte mekkanische Anführer den Islam annahmen und damit ihre vorangegangenen Fehler eingestanden, war ein enormer Auftrieb für die Moral schwacher Muslime in Mekka, die zurückgeblieben waren, weil sie nicht imstande waren, nach Medina auszuwandern. Nach all ihrem Leid sahen sie endlich einen Hoffnungsschimmer, sowohl im Sieg bei Badr als auch durch die Bekehrung bestimmter Vornehmer in Mekka.
Moral
Die Verluste, welche die Quraisch bei Badr erlitten, waren enorm. Eine Reihe ihrer Anführer, wie Abu Dschahl ibn Hischam, Umayya ibn Khalaf, ʿUtba ibn Rabiʿa und andere, waren gefallen. Dies waren nicht nur ihre Anführer, sondern auch ihre tapferen und heldenhaften Krieger. Vor Badr waren die Quraisch ohnehin schon mit der Bedrohung der Muslime gegen ihre Karawanenrouten konfrontiert, was im Wesentlichen eine Bedrohung ihrer Macht, ihres Einflusses und ihrer Führungsstellung auf der Arabischen Halbinsel darstellte.
Die Nachricht von der Niederlage der Quraisch traf in Mekka ein wie ein Donnerschlag aus heiterem Himmel. Sie waren erschüttert und konnten nicht glauben, dass sie eine solche Niederlage gegen den Propheten ﷺ und seine Gefährten ﵃ erlitten hatten. Al-Haisuman ibn ʿAbdullah al-Khuzaʿi war der erste, der die Nachricht überbrachte:
Mekkaner: Welche Nachricht bringst du?
Al-Haisuman: ʿUtba ibn Rabiʿa, Schaiba ibn Rabiʿa, Abdul-Hakam ibn Hischam, Umayya ibn Khalaf, Zamʿa ibn al-Aswad, Nubaih und Munabbih, die beiden Söhne al-Hadschdschadschs, und Abu al-Bukhtari ibn Hischam: sie sind alle getötet worden.
Safwan ibn Umayya: Bei Allah, wenn er bei Verstand ist, dann frage ihn nach mir (vielleicht sagt er, dass auch ich getötet wurde).
Mekkaner: Was geschah mit Safwan ibn Umayya?
Al-Haisuman: Er ist hier. Bei Allah, ich habe gesehen, wie sein Vater und sein Bruder getötet wurden.
In einer anderen Überlieferung erzählt Abu Rafiʿ ﵁ darüber, welche Wirkung die Niederlage bei Badr auf die Mekkaner hatte:
Abu Lahab: O Sohn meines Bruders, erzähle mir, was unseren Leuten widerfahren ist.
Abu Sufyan: Bei Allah, was geschah, ist, dass wir ihnen auf dem Schlachtfeld begegneten und ihnen unsere Schultern darboten, sodass sie uns töten konnten, wie sie wollten, und uns gefangen nehmen konnten, wie sie wollten. Und bei Allah, ungeachtet dessen, was geschehen ist, nehme ich es unseren Leuten nicht übel. Wir trafen auf weiße Männer auf gefleckten Pferden, die zwischen Himmel und Erde ritten. Bei Allah, sie ließen nichts von uns übrig, und wir konnten nichts tun, um ihnen zu widerstehen.
Safwan ibn Umayya: Bei Allah, wenn er bei Verstand ist, dann frage ihn nach mir (vielleicht sagt er, dass auch ich getötet wurde).
Abu Rafiʿ ﵁ [der in einem getrennten Raum saß, auf der anderen Seite eines Vorhangs]: Bei Allah, das waren die Engel.
Abu Lahab: [Schlug Abu Rafiʿ ﵁ ins Gesicht, woraufhin ein Handgemenge entstand.]
Umm Fadl ﵂ [die ebenfalls in dem getrennten Raum saß]: [griff zu einem Pfosten und schlug Abu Lahab auf den Kopf]. Du hältst ihn für schwach, weil sein Herr (al-ʿAbbas) nicht anwesend ist? Abu Lahab: Lief vor Scham davon.
Abu Lahab sollte eine Woche später infolge einer Infektion sterben, die durch die Wunde an seinem Kopf verursacht wurde.
Die Schlacht von Badr hatte somit tiefe psychologische Wunden bei den Quraisch hinterlassen. Viele Tote und Gefangene, Abu Lahab, der kurz danach gestorben war, Abu Sufyan, der einen Sohn verloren hatte und dessen weiterer Sohn gefangen genommen worden war. Es gab kaum einen Haushalt in Mekka, der nicht direkt oder indirekt von der Schlacht von Badr betroffen war. Sie waren daher fest entschlossen, Rache zu nehmen. Einige von ihnen schworen, sich nicht mehr zu waschen, bevor sie nicht Vergeltung für diese Niederlage erlangt hätten. Sie warteten auf den richtigen Moment, um die Muslime in Medina anzugreifen, und dieser Moment kam später am Tag von Uhud.
Der Sieg bei Badr war ein Albtraum für die Juden. Er verlieh den Muslimen Ehre und Ansehen in Medina, was bedeutete, dass der Einfluss der Juden politisch gesehen mit jedem Tag abzunehmen begann. Auch sie waren fest entschlossen, alles daranzusetzen, dies zu ändern, indem sie die Führung des Propheten ﷺ untergruben und Spannungen zwischen den Bewohnern Medinas hervorriefen. Der Prophet ﷺ war über ihre Absichten im Bilde und war im Umgang mit ihnen äußerst wachsam und aufmerksam. Wären die Juden dem Abkommen, das sie mit dem Propheten ﷺ geschlossen hatten, treu geblieben, hätten sie ein friedliches und gedeihliches Leben in Medina unter dem Banner des neuen islamischen Staates führen können. Leider wählten sie einen Weg, der zu ihrem eigenen Untergang führen sollte.
