Wie ein Reich sich langsam selbst verliert
Ein Tod allein genügt selten, um ein Reich zu Fall zu bringen. Was Mali das Genick brach, war kein Schlag, sondern ein langsames Zusammenwirken innerer und äußerer Kräfte, das ein Jahrhundert lang fortwirkte.
Der Tag, an dem Musa starb
Um 1337, irgendwo in Niani, stirbt Mansa Musa. Die Quellen sind über die Umstände unerwartet vage. Keine Schlacht, kein Palastputsch, keine bekannte Krankheit. Vermutlich Alter, er war damals etwa sechzig, und die Erschöpfung von fünfundzwanzig Jahren Herrschaft über ein Reich, das sich von der Atlantikküste bis über die Niger-Schleife hinaus erstreckte.
Was folgt, ist nicht das, was man erwarten würde. Es kommt kein Chaos. Keine Zersplitterung. Kein unmittelbarer Aufstand. Mali macht, zumindest nach außen hin, einfach weiter. Sein Sohn Maghan I. besteigt den Thron. Die Gbara bestätigt. Die Djinguereber bleibt in Gebrauch. Die Handelsrouten bleiben offen. Würde man nur die ersten Jahre betrachten, könnte man meinen, Musas Vermächtnis verwalte sich selbst.
Doch unter der Oberfläche wirkt etwas anderes. Etwas Trägeres, Zäheres, Unausweichliches. Ibn Khaldun ﵀, der im späten vierzehnten Jahrhundert in Tunis schrieb, hatte ein Wort dafür: ʿAsabiyya, der soziale Zusammenhalt, der eine Dynastie zusammenhält. ʿAsabiyya ist in der ersten Generation stark, in der zweiten noch stark, schwächt sich in der dritten ab und läuft in der vierten aus. Er notierte es als Muster, fast als Rhythmus. Mali sollte seine Theorie ungewollt bestätigen.
Maghan I. und das erste Loch
Beginnen wir bei Maghan I. Seine Regierungszeit war kurz, von 1337 bis etwa 1341. Die Quellen sind nicht freundlich zu ihm. Ibn Khaldun ﵀ nennt ihn schwach und genusssüchtig. Ibn Battuta ﵀, der 1352 Mali besucht, spricht mit älteren Höflingen, die Maghan noch gekannt haben und bei seinem Namen den Kopf schütteln. Diese vier Jahre waren, so scheint es, genug, um Musas gefestigte Nachfolge in eine Rechnung zu verwandeln, welche die folgenden Generationen würden begleichen müssen.
Was geschah konkret? Zwei Dinge, und beide sind wichtig.
Erstens: Timbuktu wurde 1339 oder 1340 von den Mossi überfallen. Das war zuvor noch nicht geschehen. Die Mossi, ein Volk aus der Volta-Region südöstlich der Niger-Schleife, hatten unter Musa zwar Druck ausgeübt, waren aber stets abgewehrt worden. Unter Maghan fiel die Stadt für kurze Zeit in Mossi-Hände. Die Tarikh al-Sudan beschreibt, wie Teile von Timbuktus Wohlstand entwendet wurden, Moscheen blieben stehen, wurden jedoch entweiht, und die Sankoré-Ulama flohen für einige Zeit. Die Stadt wurde zurückerobert, doch etwas war unwiederbringlich zerbrochen: der Mythos der Unantastbarkeit.
Zweitens: die nördlichen Garnisonen wurden schwächer. Die Tuareg- und Sanhadscha-Gruppen, die zu Musas Zeiten loyal gewesen waren, spürten, dass Nianis Griff erschlaffte. Kleine Überfälle setzten ein. Ende der dreißiger oder Anfang der vierziger Jahre wurden sie häufiger. Es endete noch nicht mit Gebietsverlusten, das kam später, doch die Sicherheitsgarantie, die Karawanen genossen, wurde teurer. Die Händler begannen, dies in ihre Preise einzukalkulieren. Und steigende Preise in Kairo oder Fes bedeuteten, dass sich Malis verhältnismäßig geschwächte Stellung selbst zu erfüllen begann.
Sulayman und die kurze Restauration
Maghan stirbt um 1341. Sein Onkel Sulayman, Bruder Musas, übernimmt und regiert bis etwa 1360. Dies ist eine gute Regierung. Sulayman ist von altem Schlag: fromm, gemäßigt, vorsichtig im Umgang mit der Schatzkammer, achtsam auf islamische Praxis. Ibn Battuta ﵀ beschreibt ihn mit Achtung, wenn auch mit kritischen Anmerkungen zu seiner Sparsamkeit im Vergleich zu Musa.
Unter Sulayman scheint Mali sich zu erholen. Timbuktu wird befestigt. Die Mossi werden zurückgedrängt. Die Garnisonen in Taghaza und Walata funktionieren wieder. Die Ulama kehren vollständig nach Sankoré zurück. Die Djinguereber wird instand gehalten. Im Jahr 1352, dem Jahr von Ibn Battutas ﵀ Besuch, ist Mali, von außen betrachtet, immer noch eine islamische Großmacht.
Doch beachte, was Ibn Battuta ﵀ ebenfalls sieht. Er sieht einen Herrscher, der weniger Geld für Wissenschaft und mehr für Hofbequemlichkeit ausgibt. Er sieht Hofdamen, die ohne Schleier erscheinen, was er als malikitischer Jurist problematisch findet, und Dichter, die vor dem Mansa in einer Weise auftreten, die er als vorislamisch bezeichnet. Er sieht ein Reich, das äußerlich islamisch ist, in dem sich aber die lokale Mandé-Praxis am Rand der islamischen Konvention wieder Geltung verschafft. Es ist kein Abfall vom Glauben, doch es ist ein Driften.
Ibn Battutas ﵀ Rihla ist für diese Zeit unsere wichtigste Augenzeugenquelle. Er ist nicht unparteiisch, er ist ein marokkanischer malikitischer Jurist mit strengen Auffassungen zur islamischen Hofkultur, doch seine Beobachtungen sind konkret und nicht leicht abzutun. Mali war 1352 weniger streng als 1324. Das ist keine kleine Beobachtung.
Nach Sulayman: die Spirale
Sulayman stirbt um 1360. Und dann beginnt die Spirale, die wir kennen. Sein Sohn Qasa regiert nur wenige Monate, ehe er von Mari Diata II., einem Enkel Musas, abgesetzt wird. Mari Diata II. ist ein verheerender Herrscher. Ibn Khaldun ﵀ beschreibt ihn als verschwenderischen Lebemann, der die Schatzkammer leerte. Er verkauft sogar, einer Überlieferung zufolge, einen großen Klumpen reinen Goldes, den Musa als Geschenk des mamlukischen Sultans aus Mekka mitgebracht hatte, verkauft ihn an einen ägyptischen Kaufmann zu Spottpreisen, um Festgelage finanzieren zu können.
Das wäre noch verzeihlich, hätte Mari Diata II. einen tüchtigen Nachfolger gefunden. Das geschah nicht. Sein Sohn Musa II. regierte von 1374 bis 1387 und war faktisch eine Marionette eines mächtigen Farba, eines Hofgenerals namens Mari Diata. Die wirkliche Macht saß nicht mehr auf dem Thron, sondern zur Linken des Throns. Und das ist, wie Ibn Khaldun ﵀ gewarnt hatte, der Augenblick, in dem die ʿAsabiyya zu zerbröseln beginnt. Die Dynastie regiert nicht mehr. Die Dynastie wird regiert.
Die Tuareg, die Mossi, die Songhai
Während sich am Hof die Fäden verschoben, geschah außerhalb des Hofes etwas, das weit sichtbarer war. Drei Druckpunkte.
Erster Druckpunkt: die Tuareg. Diese berberischen Völker beherrschten die Wüstenzonen nördlich des Niger. Zu Musas Zeit waren sie Vasallen, erhielten Zahlungen für den Schutz von Karawanen, stellten Truppen für Malis Heer. In dem Maß, in dem Niani schwächer wurde, wurden sie unabhängiger. 1433, das ist beinahe ein Jahrhundert nach Musas Tod, erobern sie Timbuktu selbst. Eine Stadt, die ein Jahrhundert zuvor das Kronjuwel gewesen war, fällt in die Hände von Tuareg-Anführern unter Akil Ag Malwal. Die Ulama von Sankoré verhandeln mit den Eroberern, halten die Moscheen offen, doch die Stadt gehört nicht mehr zu Mali.
Zweiter Druckpunkt: die Mossi. Sie waren bereits unter Maghan in Erscheinung getreten. Sie kamen weiter. Im vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert führen sie regelmäßig Überfälle gegen Djenné, gegen Walata, gegen die südlichen Flanken Malis. Sie eroberten kein großes Gebiet, doch sie zermürbten das Reich. Jeder Überfall kostete Niani ein Heer, eine Ernte, eine Karawane.
Dritter Druckpunkt, und auf lange Sicht der wichtigste: die Songhai. Gao, jene Stadt, die wir in einem viel früheren Artikel als die erste echte Stadtstaat-Macht der Region kennengelernt haben, war im dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert ein Vasall Malis. Die Songhai akzeptierten die malische Oberherrschaft ohne großen Widerstand. Doch auch dies änderte sich. Im Verlauf des fünfzehnten Jahrhunderts begannen lokale Songhai-Anführer, sich als unabhängig zu gebärden. 1464 sollte Sunni Ali Ber den Thron eines Songhai besteigen, das sich förmlich von Mali löste und anschließend seinen früheren Herrn zu verschlingen begann. Doch diese Entwicklung beginnt früher, unter Herrschern, die schon im späten vierzehnten Jahrhundert die malischen Sofa-Garnisonen aus Gao vertrieben.
Der wirtschaftliche Niedergang
Während die Ränder abbröckelten, geschah auf den Märkten etwas, das Malis Kern untergrub. Portugiesen erscheinen ab 1440 an der westafrikanischen Küste. Sie wollen Gold. Sie bieten Textilien, Perlen, Waffen und, noch zaghaft, eine Nachfrage nach Sklaven. Das Gold, das bis dahin nordwärts durch die Sahara zu Malis Vorteil zog, beginnt einen alternativen Abflussweg zu finden: westwärts, über die Küste, über portugiesische Schiffe.
Das ist katastrophal für Mali. Das gesamte Reich war um die transsaharische Handelsachse herum aufgebaut. Gold aus Bambuk und Bure nordwärts, Salz aus Taghaza südwärts, Zoll erhoben in Niani und Walata. Wenn das Gold westwärts zur Küste zieht statt nordwärts durch die Wüste, verliert Niani seine Zollerträge. Und ohne Zollerträge kein Heer, ohne Heer keine Garnisonen, ohne Garnisonen kein Reich.
Dieser Vorgang verläuft langsam. Die ersten portugiesischen Schiffe bei Elmina, das auf das 1482 errichtete Kastell der Portugiesen verweist, sind weiter südlich als Malis Kerngebiet. Doch ab dem späten fünfzehnten Jahrhundert ist es unverkennbar: Malis ökonomische Logik funktioniert nicht mehr. Die Welt hat eine neue Handelsachse erhalten, und Mali liegt nicht mehr in deren Mitte.
Die Pest und die Sahelzone
Nennen wir einen Faktor, der in der klassischen Mali-Historiographie häufig übergangen wird: den Schwarzen Tod. Die große Pestepidemie von 1347 bis 1351, die Europa und den Nahen Osten verwüstete, hat auch Westafrika getroffen, wenngleich die Quellen darüber bruchstückhaft sind.
Ibn Battuta ﵀, der 1348 bis 1349 quer durch das Pestgebiet auf dem Weg nach Mali reiste, beschreibt den Tod seiner Mutter an der Pest in Tanger. Er kommt in einem Mali an, das vermutlich bereits durch sporadische Ausbrüche entlang der transsaharischen Handelsrouten betroffen war. Die Tarikh al-Sudan und andere lokale Quellen schweigen darüber weitgehend, was bedeuten kann, dass die Epidemie in Westafrika weniger heftig war als anderswo, oder schlicht, dass lokale Chronisten nicht über die Infrastruktur verfügten, um so etwas zu dokumentieren.
Was wir aber wissen: die Handelspartner Malis in Kairo und im Maghreb wurden dezimiert. Kairo verlor 1348 bis 1349 zwischen 30 und 50 Prozent seiner Bevölkerung. Fes wurde schwer getroffen. Die Nachfrage nach Gold sank nicht (Gold ist relativ inflationssicher), doch die logistische Kapazität des transsaharischen Handels nahm ab. Weniger Kaufleute, weniger Karawanen, weniger Zoll für Niani. Dies ist ein Faktor, mit dem Maghan I. und Sulayman zu tun bekamen, den Musa nie erlebt hatte.
Die Pest ist auch eine mahnende Erinnerung: nicht alles, was Reiche ins Wanken bringt, ist menschlicher Plan. Manchmal sind es biologische Vorgänge, die über ganz Eurasien und Afrika gleichzeitig geschehen und jede Verwaltung zwingen, mit weniger Mitteln mehr Streitigkeiten zu bewältigen. Das zeitliche Zusammenfallen von Malis erstem großen Knirschen, Ende der dreißiger und vierziger Jahre des vierzehnten Jahrhunderts, mit dieser globalen Katastrophe ist nicht zufällig.
Die Erzählung von innen
Es gibt etwas, das ich hier eigens nennen möchte, denn in der europäischen Geschichtsschreibung wird es oft weggelassen. Mali fiel nicht allein durch äußeren Druck. Mali fiel auch deshalb, weil der islamische Konsens, den Musa begründet hatte, unter seinen Nachfolgern nicht voll fortgeführt wurde.
Ibn Khaldun ﵀ beschreibt, wie in der zweiten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts bestimmte Mansas wieder zu vorislamischen Hofritualen zurückkehrten. Bambara-Jäger-Bruderschaften, die unter Sundiata eine Hauptrolle gespielt hatten, gewannen wieder an Einfluss. Traditionelle Opfer wurden erneut dargebracht. Die Ulama wurden weniger zu Rate gezogen. Das ist kein vollständiger Glaubensabfall, Moscheen blieben stehen, Gebete wurden verrichtet, Qadis sprachen Recht, doch es ist eine Schwächung des islamischen Rahmens als Staatsgerüst.
Dies wirkt in zweifacher Weise gegen Mali. Erstens: es macht ausländische muslimische Händler vorsichtiger. Wenn Mali kein unbestritten islamischer Partner mehr ist, warum sollte man Goldverträge weiterhin mit Niani schließen statt mit Gao oder Djenné? Zweitens: es macht die Ulama selbst unruhig. Sie waren Musas größtes intellektuelles Kapital. Wenn sie sich nicht mehr anerkannt fühlen, schreiben sie weniger, lehren sie weniger oder, und das geschieht ab dem späten fünfzehnten Jahrhundert, ziehen nach Gao, wo Sunni Ali Ber und später Askia Muhammad sie wieder ernst nehmen.
Was wir aus dem Fall lernen
Halten wir kurz inne und betrachten, was diese Geschichte eigentlich erzählt. Mali fiel nicht durch eine einzige Sache. Keine mongolische Horde wie jene, die Bagdad 1258 verwüstet hatte. Kein Kreuzzug wie jener, der Akkon 1291 eingenommen hatte. Keine Naturkatastrophe wie jene, die Westeuropas Bevölkerung im 14. Jahrhundert halbierte. Mali fiel langsam, durch das Zusammenwirken innerer Schwächung und äußeren Drucks, durch das Verschieben von Handelsachsen, durch jenes Muster, das Ibn Khaldun ﵀ als Verlust der ʿAsabiyya benannt hatte.
Das ist wichtig, weil die Geschichte lehrt, dass Reiche nicht auf einen Schlag fallen. Sie sinken weg. Sie tauschen Boden gegen Zeit und Zeit gegen noch mehr Boden. Die Menschen, die um 1400 in Niani lebten, fühlten nicht, dass sie in einem sterbenden Reich wohnten. Sie dachten wahrscheinlich, dies sei eine schwierige Phase, die schon vorübergehen werde. Ihre Enkel, im Jahr 1450, wussten es bereits besser. Ihre Urenkel, im Jahr 1500, erinnerten sich an Mali als etwas, das gewesen war, etwas, das Gao und Timbuktu unter Songhai-Herrschaft als Erbe weiterreichte.
Djenné und die alternativen Zentren
Während Niani und Timbuktu in unterschiedlichen Phasen ihren Einfluss schwinden sahen, geschah etwas, das in mancher Hinsicht sogar bedeutsamer war: andere Städte übernahmen Teile der wirtschaftlichen und intellektuellen Rolle.
Djenné, am inneren Niger-Delta, war bereits unter Mali eine wohlhabende Handelsstadt gewesen. Mit dem Niedergang der Zentralgewalt Malis erhielt Djenné größere Eigenständigkeit. Die Stadt war reich, defensiv günstig hinter den jährlichen Überschwemmungen des Niger gelegen und besaß eine eigene Ulama-Tradition, die nicht unmittelbar von der Sankoré in Timbuktu abhing. Die Große Moschee von Djenné, deren heutiges Gebäude zwar aus dem neunzehnten Jahrhundert stammt, steht auf Fundamenten, die in diese Zeit zurückreichen. Die Tarikh al-Sudan widmet ganze Kapitel Djenné als einer Stadt mit eigenen Herrschern, eigenen Handelsentscheidungen, eigenen religiösen Gelehrten.
Walata, am nordwestlichen Ende des alten malischen Territoriums, folgte einem ähnlichen Weg. Ibn Battuta ﵀ besuchte diese Stadt und beschrieb sie als wohlhabend, zugleich jedoch als etwas unsicher unter der Herrschaft Malis: die lokale berberische und Mandé-Elite musste fortwährend mit benachbarten Tuareg-Gruppen verhandeln. Als Mali sich zurückzog, wurde Walata endgültig berberisch geprägt.
Gao wurde, wie bereits angedeutet, die Hauptstadt Songhais. Doch auch innerhalb des alten Mali-Gebietes entstanden kleinere Zentren, die eigene Madrasen, eigene Qadis, eigene Handelsnetze entwickelten. Die Ulama-Klasse, die Musa ausgebildet hatte, war nicht länger an Niani gebunden. Sie war überall dort tätig, wo es noch Wohlstand und Schutz gab.
Dies ist eine wichtige Korrektur an der Erzählung vom „Fall Malis". Mali fiel, doch die islamische westafrikanische Zivilisation fiel nicht. Sie ordnete sich neu. Sie fand neue Zentren. Sie übergab sich anderen Trägern. Und genau deshalb musste Songhai, das wir in der nächsten Folge behandeln werden, nicht bei null beginnen. Es erbte nicht nur Gebiet, sondern eine ganze schriftkundige, islamisch institutionalisierte Landschaft.
Die Grenze zwischen damals und heute
Das Mali-Reich verschwindet nicht völlig. Im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert besteht weiterhin ein kleineres Königreich Mali um Niani, unter aufeinanderfolgenden Mansas, die noch immer den Titel führen, aber nur noch einen Bruchteil des alten Gebietes beherrschen. Die Tarikh al-Sudan nennt sie, die Tarikh al-Fattash nennt sie, doch sie sind in der großen westafrikanischen Politik kein Faktor mehr. Sie sind eine Erinnerung an das, was war.
Das eigentliche Ende Malis als politische Einheit kommt im siebzehnten Jahrhundert, als die letzten Mansas ihren Hof unter Fulani- und Bambara-Druck verlegen müssen. Um 1670 gibt es keinen erkennbaren malischen Staat mehr. Um 1700 sind die Erinnerungen über verschiedene lokale Traditionen verstreut, die jeweils ihren eigenen Teil der Wahrheit bewahren.
Doch dann, und das ist das Faszinierende, überleben die Vermächtnisse Malis in Strukturen, die Mali selbst überdauerten. Timbuktu. Die Djinguereber. Sankoré. Die malikitische Schule. Die Wangara-Handelslinien. Die Mandé-sprachigen Gemeinschaften vom Senegal bis Ghana. Die Erzählungen von Sundiata, die rund um Lagerfeuer weitergegeben und schließlich im zwanzigsten Jahrhundert von Djibril Tamsir Niane als Epos von Sundiata aufgezeichnet wurden. All diese Dinge sind das Vermächtnis Malis, und sie haben das Reich lange überdauert.
Das ist es, was Verfall eigentlich bedeutet. Nicht, dass alles verschwindet. Sondern dass die politische Struktur, die alles trug, sich auflöst und das Übriggebliebene fortan ohne staatlichen Schutz überleben muss.
Die Öffnung für das, was kommt
Während Niani im vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert langsam wegsinkt, geschieht etwas in Gao. Die Songhai, einst Vasallen, werden unabhängig, werden selbstbewusst, werden ehrgeizig. Im Jahr 1464 wird Sunni Ali Ber den Thron besteigen und den Auftakt bilden zu einem neuen westafrikanischen Imperium, das genau jenen Raum einnehmen wird, den Mali zu räumen im Begriff ist.
Das ist keine Tragödie. Das ist Geschichte. Reiche steigen auf und fallen; was zählt, ist das, was sie in ihrem Fall an das weitergeben, was nach ihnen kommt. Mali gab an Songhai weiter: islamische Legitimität als Verwaltungsrahmen, malikitisches Recht als Rechtssystem, Timbuktu als intellektuelle Hauptstadt, Gao als kommerzielles Drehkreuz, die transsaharischen Handelsrouten als wirtschaftliche Adern. Songhai sollte all dies neu erfinden, und mehr.
Doch das ist die Geschichte eines anderen Jahrhunderts.
Quellen
- Ibn Khaldun ﵀, Kitab al-ʿIbar: die Nachfolge Musas durch Magha und Sulayman, Qasa, Mari Jata ibn Mansa Magha, der das Reich ruinierte und den Schatz verschwendete, Musa II und der Wesir, der seine Macht an sich riss, und der Verkauf des goldenen Felsblocks, zitiert bei Gomez, pp. 145, 150–151, 419.
- Ibn Battuta ﵀, Rihla: der Besuch in Walata und in der Hauptstadt Malis 1352–1353, der Geiz von Mansa Sulayman, die vollen Freitagsmoscheen, die Kinder, die den Koran lernen, und die unbedeckten Frauen am Hof, zitiert bei Gomez, pp. 95, 125, 147–148, 158, 160.
- Tarikh al-Fattash, Mahmud Kaʿti ﵀ zugeschrieben, über die späteren Mansas von Mali; das Sundiata-Epos in der Aufzeichnung von Djibril Tamsir Niane, zitiert bei Gomez, p. 390.
- Michael A. Gomez, African Dominion: A New History of Empire in Early and Medieval West Africa, Princeton University Press, Princeton 2018, pp. 65, 95, 112, 125, 145, 147–148, 150–152, 158, 160, 169, 184, 186, 218, 390, 419.
- pp. 145, 150: Musas fünfundzwanzig Regierungsjahre, 1312–1337; Magha, der kurz nach seinem Amtsantritt starb, worauf die Krone an Musas Bruder Sulayman fiel, der vierundzwanzig Jahre regierte; der Tod Musas um 737/1337 und Sulaymans um 761/1360, wobei Maghas Regierung möglicherweise vier Monate statt vier Jahre dauerte.
- pp. 150–151: Qasa, der neun Monate regierte; Mari Jata ibn Mansa Magha, von etwa 1360 bis 1373–1374, bei Ibn Khaldun ﵀ ein überaus schlechter Herrscher; die zyklische Theorie vom Aufstieg und Zerfall der Reiche; Musa II, gestorben 789/1387, dessen Macht sein Wesir, wieder ein Mari Jata, an sich riss; Mali, das bis ins siebzehnte Jahrhundert fortbestand, während Songhay den Mittleren Niger beherrschte, und die Expansion, die die Regierungsfähigkeit überstieg.
- pp. 147–148, 158, 160: Sulayman als geiziger König, gemessen an Musas Freigebigkeit, und die Sudan, die ihn deshalb nicht mochten; der mögliche Rückschlag von Musas pro-islamischer Politik unter Maghan dem Zauberer; die volle Freitagsmoschee und die gefesselten Kinder; die Missbilligung der unbedeckten Frauen am Hof.
- pp. 95, 125: Ibn Battuta ﵀ in Walata 1352–1353, dem ersten Bezirk des Sudan mit dem Farba Husayn als Stellvertreter des Mansa, am Rand der malischen Herrschaft, mit matrilinearen Soninke-Bräuchen.
- pp. 184, 186: Sunni Ali, der 869/1464 an die Macht kam; die schwindende malische Herrschaft über Timbuktu und die Etablierung der Maghsharan-Tuareg über die Stadt 837/1433–1434 unter Akil.
- pp. 112, 152, 218: der Aufstieg atlantischer Märkte, die mit denen der Sahelzone konkurrierten; die Portugiesen unter Heinrich dem Seefahrer an der mauretanischen Küste in den 1440er Jahren, angezogen von Berichten über Gold in Timbuktu; Elmina erreicht bis 875/1471, wenige Jahre nach der Machtübernahme Sunni Alis.
- pp. 65, 145, 169: der Schwarze Tod, der Ägypten gegen Ende der 1340er Jahre erreichte, während der Regierung Sulaymans; Mali, das in verkleinerter Form bis weit ins siebzehnte Jahrhundert fortbestand; Kangaba als letzte Zuflucht der malischen Herrscher, reduziert auf den kleinen Staat Minijan.
- pp. 390, 419: Djibril Tamsir Niane als Aufzeichner der Mande-Überlieferung; Ibn Khaldun ﵀ über den Verkauf eines goldenen Felsblocks von zwanzig Qintar durch Mari Jata, ein Topos, der schon bei al-Bakri ﵀ vorkommt.
- John O. Hunwick (Übers.), Timbuktu and the Songhay Empire: al-Saʿdi’s Taʾrikh al-sudan down to 1613 and other contemporary documents, Brill, Leiden 2003 (2. Aufl.; 1. Aufl. 1999), pp. xxxviii, 11–12, 17–19, 31.
- pp. 11–12 (TS Kap. 3): der Sultan von Mossi, der während der malischen Herrschaft mit einem großen Heer gegen Timbuktu zog, die Malier, die flohen, die Plünderung und Verbrennung der Stadt und die hundert Jahre malischer Herrschaft danach, von Hunwick auf etwa 1343 datiert; die Maghsharan-Tuareg unter Akil Ag-Amalwal, die Malier, die Timbuktu verließen, und Akil, der es vierzig Jahre beherrschte.
- pp. xxxviii, 31 (TS Kap. 7): die Tuareg-Herrschaft über Timbuktu ab 837/1433–1434 und Sunni Ali ab 873/1468–1469; Akil, der in den Wüstenlagern blieb und die Stadt dem Timbuktu-koi überließ; Sunni Ali Ber (1464–1492) als der Herrscher, der das alte Mali reif zur Übernahme fand.
- pp. 17–19 (TS Kap. 5): Djenné als einer der großen Märkte der Muslime, wo das Salz von Taghaza und das Gold von Bitu zusammenkommen; die Stadt, die bei Hochwasser von August bis Februar zur Insel wird; der Sultan, der seinen Palast für die Freitagsmoschee abreißen ließ, und die heutige Große Moschee von 1907.
Verweise
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