AnmeldenRegistrieren
HeuteArtikelSchlachtenBiografienStory-Modus

Periode der schwierigen Nachfolge
Geschichte des Islams in WestafrikaDas Mali-Reich

Periode der schwierigen Nachfolge

Die Stille nach Sundiata: Ein Reich sucht seine Richtung

Ein Held stirbt, und ein Reich muss lernen, ohne ihn zu leben. Zwischen 1255 und dem Aufstieg Mansa Musas liegt ein halbes Jahrhundert, das die Quellen lieber überspringen würden.

Das Problem des ersten Nachfolgers

Jede Zivilisation kennt diesen Augenblick. Der Gründer stirbt. Und was nun? Rom hatte ihn nach Augustus. Das Raschidun-Kalifat hatte ihn nach dem Propheten ﷺ und erneut nach jedem der vier rechtgeleiteten Kalifen ﵃. Und Mali, noch jung, kaum eine Generation alt als gefestigtes Reich, bekam es um 1255 damit zu tun.

Sundiata Keita, der Krieger, der Soumaoro Kanté bei Kirina besiegt hatte, der Mann, der die Gbara einberufen und die Kouroukan Fouga hatte aufstellen lassen, war gestorben. Die Quellen sind unbestimmt darüber, wie genau. Die einen sagen Ertrinken im Sankarani, die anderen einen Pfeil während eines feierlichen Tanzes, ein dritter Bericht spricht von einem natürlichen Tod in seinem Palast in Niani. Sicher ist: Er hinterließ ein Reich, das noch keinen festen Lauf für sein eigenes Fortbestehen hatte.

Du musst dir vorstellen, was das bedeutet. Ein Reich ist kein Land. Ein Reich ist eine Verbindung von Sippen, Königreichen, Handelsnetzen und religiösen Autoritäten, die alle einen Grund brauchen, um weiter zusammenzuwirken, nachdem der Mann, der sie zusammengeführt hat, nicht mehr da ist. Mali hatte diesen Grund noch nicht gefunden. Nicht in Form einer klaren Erbfolge, nicht in Form einer einzigen geteilten Staatsreligion, nicht in Form einer Verwaltung, die quer durch persönliche Treuen hindurch wirken konnte.

Die Jahrzehnte zwischen Sundiata und Mansa Musa sind daher für den Geschichtsschreiber eine Art grauer Nebel. Und gerade in diesem Nebel geschah etwas Entscheidendes: Der Islam begann, Stück für Stück, den Schwerpunkt der Macht zu verschieben.

Was die Gbara war und warum sie wichtig war

Bevor wir über die Nachfolger sprechen, müssen wir kurz bei der Gbara verweilen. Denn ohne die Gbara ist die schwierige Nachfolge nicht zu verstehen.

Die Gbara war der große Rat Malis, unter Sundiata als Teil der Kouroukan Fouga eingerichtet. Zweiunddreißig Abgesandte, die meisten aus Sippen, die bei Kirina mitgekämpft hatten, kamen zusammen, um zu beraten, zu bestätigen und mitunter zu entscheiden, wer auf dem Thron sitzen durfte. Das war keine Zierde. Das war ein wirkliches verfassungsmäßiges Gremium. Der Mansa regierte nicht uneingeschränkt; er regierte im Einvernehmen.

Wie funktionierte das in der Praxis? Die Mandé-Tradition kannte zwei Logiken zugleich. Auf der einen Seite die Erstgeburt, das Sohn-Sein, die Blutslinie, die selbsttätig vom Vater auf den Sohn weitertickt. Auf der anderen Seite das wahlrechtliche Prinzip, die Sippen, die einen Anwärter anerkennen müssen, ehe er wahrhaftig Mansa ist. Diese beiden Logiken mussten einander nicht widersprechen, solange es einen klaren, fähigen, von allen anerkannten Kronprinzen gab. Doch sobald dieser fehlte, prallten sie hart aufeinander.

Das ist das Drama von 1255 bis ungefähr 1312. Kein Krieg, kein Einfall, kein wirtschaftlicher Zusammenbruch. Einfach: eine Reihe kurzer Herrschaften, Anerkennungskämpfe innerhalb der Gbara, ein Mansa, der mitunter ein Jahr saß, mitunter zehn, ehe der nächste ihn wieder ablöste. Ibn Chaldun ﵀, der im 14. Jahrhundert in Kairo und Tunis schrieb, hatte Mühe, die Reihenfolge schlüssig hinzubekommen. Wenn es ihm Mühe machte, dürfen wir uns heute nicht wundern, dass viele Einzelheiten verloren gegangen sind.

Was Sundiata hinterlassen hatte

Bevor wir bei dem ersten Nachfolger anlangen, müssen wir kurz genauer betrachten, was Sundiata in greifbarer verwaltungsmäßiger Hinsicht aufgebaut hatte. Denn es war nicht nichts, und es war auch nicht alles.

Sundiata hatte in seinen fünfundzwanzig Jahren Herrschaft nach der Schlacht von Kirina im Jahr 1235 drei große Strukturen hinterlassen. Erstens die Kouroukan Fouga, das Verfassungsdokument, das während einer Sitzung der Gbara in der offenen Ebene bei Ka-ba aufgestellt wurde. Es war keine geschriebene Verfassung in unserem heutigen Sinn, sie wurde von der Griot-Tradition mündlich überliefert, doch sie war ein ausdrückliches Gefüge von Regeln: welche Sippen welche Rollen erfüllten, wie die Nachfolge ablaufen sollte, wie Fremde und Sklaven zu behandeln waren, welche Bodenbesitze welchen Familienlinien zustanden. Der französische Ethnologe Youssouf Tata Cissé hat im 20. Jahrhundert Teile dieses Dokuments aus der mündlichen Überlieferung rekonstruieren lassen; der vollständige Text wurde 2009 von der UNESCO als immaterielles Welterbe anerkannt.

Zweitens die militärische Sofa-Struktur. Sundiata hatte ein stehendes Heer aus Reiterei, Bogenschützen und Speerträgern eingerichtet, teilweise aus Zolleinkünften bezahlt, teilweise aus Lehnsgut, das Kriegsherren verwalteten. Das war für ein westafrikanisches Reich des 13. Jahrhunderts ungekannt verberuflicht. Die Sofa war nicht nur ein Werkzeug zur Eroberung; sie war auch der Hebel, mit dem aufständische Provinzen zur Folgsamkeit zurückgeführt wurden, ohne dass dies jedes Mal einen Krieg erforderte. Bedrohung allein genügte oft.

Drittens die Neuordnung der transsaharischen Handelsrouten. Sundiata hatte nach Kirina die Goldfelder von Bambuk unter malische Aufsicht gebracht und die alten Ghana-Routen Richtung Walata neu belebt. Er hatte die Fulani- und Soninke-Handelsnetze nicht ersetzt, sondern eingegliedert. Mali war unter ihm reicher, als Ghana je gewesen war, weil Mali nicht nur die Goldquelle beherrschte, sondern auch die Salzwege, die dafür notwendig waren. Das war eine wichtigere Leistung als die militärischen Siege. Geld ist das, was Reiche am Laufen hält.

All diese Strukturen standen aufrecht, als Sundiata starb. Das Problem war, dass sie ohne ihn persönlich noch nicht in einem Belastungsfall geprüft worden waren. Jede Einrichtung, die er aufgesetzt hatte, brauchte seine Autorität, um weiter zu wirken. Würde sie auch ohne ihn wirken? Das war die Frage, mit der die Generation von 1255 zu tun bekam.

Mansa Wali und die erste Hadsch

Der erste Nachfolger, über den wir etwas Sinnvolles sagen können, ist Mansa Wali, auch Uli geschrieben, ein Sohn Sundiatas. Er regierte grob von 1255 bis 1270, je nach Chronik.

Mansa Wali tat etwas, was bis dahin kein Mansa getan hatte: Er vollzog die Hadsch. Das ist nicht klein. Es ist die erste belegte Pilgerfahrt eines Herrschers von Mali nach Mekka, irgendwann zwischen 1260 und 1263. Ibn Chaldun ﵀ verzeichnet es, und das Detail ist wichtig, weil es das Vorspiel dessen bildet, was Mansa Musa sechzig Jahre später in viel größerem Maßstab tun sollte.

Die Tarikh al-Sudan und die späteren westafrikanischen Chroniken schweigen über diesen Besuch im Einzelnen, was bedauerlich ist, denn man würde gern wissen, wie Wali empfangen wurde, wie groß seine Karawane war, ob er wie sein späterer Nachkomme freigebig austeilte. Was wir wissen: Er kehrte zurück. Und er kehrte mit dem Ansehen eines Pilgers zurück, was innerhalb des wachsenden islamischen Einflusses in Mali eine ungeheure politische Münze war.

Wali regierte im Übrigen gut. Die Quellen nennen ihn einen Fortsetzer von Sundiatas Stabilität. Doch dann stirbt er, und es beginnt.

Was Sakura bedeutete

Halten wir kurz bei Sakura inne, denn er verdient einen eigenen Absatz. Sakura war nach der gängigsten Überlieferung ein freigelassener Sklave im Dienst des Palastes in Niani. Nicht einmal ein Feldherr von Geburts-Elite, nicht einmal ein entfernter Vetter des königlichen Hauses. Ein Mann aus der Jonya-Schicht, der Dienerschicht, der sich durch militärische Fähigkeiten zu einer Stellung emporgearbeitet hatte, von der aus er es, in Ermangelung eines klaren Erben, einfach wagte, den Thron zu ergreifen.

Das geschah um 1285, nach Ibn Chaldun ﵀. Und es sagt uns etwas Wichtiges: Die Gbara nahm es hin. Vielleicht nicht von Herzen, aber doch. Sakura war ein fähiger Verwalter. Er gewann Gebiete zurück, die in den vorausgegangenen Thronwechseln verloren gegangen waren, ordnete die nördlichen Garnisonen neu und vollzog sogar die Hadsch. Auf dem Heimweg wurde er, so Ibn Chaldun ﵀, bei Tadschura an der libyschen Küste nahe Tripolis getötet und seines Goldes beraubt. Sein Leib wurde nach der Überlieferung schließlich in einem mumifizierten Zustand nach Niani zurückgebracht, wo er mit Staatsehren bestattet wurde.

Dass ein ehemaliger Sklave den Thron besteigen, regieren, die Hadsch vollziehen und als Mansa bestattet werden konnte, das war etwas, das im mamlukischen Kairo etwa durchaus möglich war (die ganze Mamluken-Dynastie beruhte dort darauf, Sklavensoldaten zu Herrschern zu erheben), in den überkommenen westafrikanischen Gesellschaften mit ihren starren Sippenhierarchien jedoch eine Ausnahme. Es zeigt, wie sehr die Kouroukan Fouga und der islamische Einfluss zusammen ein Mali geschaffen hatten, in dem fachliche Tüchtigkeit schwerer wog als Geburtslinie. Nicht völlig, aber mehr als andernorts.

Die kurzen Herrschaften und das Dunkel dazwischen

Auf Wali folgt Mansa Ouati. Dann Mansa Khalifa. Dann, nach einigen Listen, ein Mansa, der nur unter seinem Beinamen bekannt ist. Dann Abu Bakr I., ein Enkel Sundiatas über dessen Tochter, denn die Mandé-Tradition kannte auch matrilineare Nachfolgemöglichkeiten. Dann Sakura, ein ehemaliger Feldherr und nach manchen Quellen ein freigelassener Palastsklave, der in Ermangelung eines klaren Erben den Thron ergriff, selbst die Hadsch vollzog und auf dem Rückweg bei Tadschura nahe Tripolis getötet wurde. Dann Qu. Dann Muhammad ibn Qu. Und dann endlich Abu Bakr II.

Diese Liste ist beeindruckend in der Menge und niederdrückend in der Klarheit. Ibn Chaldun ﵀ selbst zögert. Die oben angegebene Reihenfolge ist die übliche akademische Rekonstruktion, doch jeder Name kommt mit einer Fußnote und jede Fußnote mit einem Fragezeichen.

Was indessen bemerkenswert ist, wie der Anlasstext zu Recht bemerkt, ist, dass diese Mansas zunehmend islamischer werden. Wali vollzieht die Hadsch. Sakura vollzieht die Hadsch. Abu Bakr II. wird Entscheidungen treffen, von denen unten mehr die Rede sein soll, die aber nur in einen Hof passen, in dem der Islam inzwischen die maßgebliche religiöse Bezugsgröße ist. Die Donson Ton, die überkommenen Jägerbruderschaften, die unter Sundiata eine Hauptrolle im gesellschaftlichen Leben spielten, beginnen Boden zu verlieren an die Ulama, an die islamischen Rechtsgelehrten, an die schriftkundigen Araber-Beamten am Hof.

Die Spannungen, die nicht in den Chroniken stehen

Manche Historiker, darunter Nehemia Levtzion in seinen Studien zur westafrikanischen Islamisierung, vermuten, dass die schwierige Nachfolge nicht zufällig mit der Islamisierung zusammenfällt. Es ist, ihrer Meinung nach, gerade die Islamisierung, die die Nachfolge so schwierig machte.

Stelle es dir so vor. Die Gbara wurzelte in einem Mandé-Weltbild, in dem Jägermagie, Ahnenverehrung und Sippen-Aristokratie das Gerüst bildeten. Ein Mansa, der sich zunehmend deutlich für das islamische Recht entschied, für Qadis statt für überkommene Berater, für die Freitagsmoschee statt für das Opfer an die ahnenhaften Waldgeister, ein solcher Mansa veränderte nicht nur seine eigene Identität. Er veränderte die Legitimitätsgrundlage des ganzen Staates. Und ein Teil der Gbara ließ das nicht ohne Weiteres geschehen.

Das ist freilich spekulativ. Die Quellen bestätigen es nicht ausdrücklich. Doch es erklärt die zersplitterte Nachfolge, die kurzen Regierungszeiten, die Tatsache, dass Generäle und Nicht-Direktverwandte mitunter den Thron bestiegen. Es war keine Anarchie. Es war ein träges, zähes Aushandeln zwischen zwei Arten, Mali zu sein.

Und beachte: Es war auch nicht zwingend eine feindselige Verhandlung. Die Islamisierung Malis ist nie zu einer blutigen Umwälzung geworden, wie es die Almoraviden-Feldzüge in der westlichen Sahara ein Jahrhundert zuvor gewesen waren. Sie verlief über den Handel, über Eheschließungen, über höfische Berater, über die nüchterne Feststellung, dass ein islamischer Mansa Zugang zu einem Handelsnetz hatte, das von Kairo bis Córdoba reichte, und dass ein nichtislamischer Mansa diesen Zugang einfach nicht hatte. Es war Pragmatismus, der allmählich zur Überzeugung wurde.

Die Rolle der Griots in dieser Stille

Es gibt noch eine Quelle, der wir zu wenig Beachtung schenken, wenn wir über die schwierige Nachfolge sprechen: die Griot-Tradition. Denn während arabische Chroniken schwiegen oder zögerten, während Mandé-Hofregister, falls sie überhaupt bestanden, nicht überliefert sind, blieb ein Archiv in Funktion: das Gedächtnis der Djeli, des Griot, des berufsmäßigen Erzählers, der über Generationen die Genealogien und Ereignisse in Versen speicherte und weitergab.

Die heutigen Überlieferungen zu Sundiata, im 20. Jahrhundert von Djibril Tamsir Niane aus dem Mund des Griots Mamadou Kouyaté und später von anderen aufgezeichnet, enthalten auch Hinweise auf diese Zwischenzeit. Doch auf eine eigentümliche Weise: Diese Erinnerungen sind verflacht, gerafft, zu einigen sinnbildlichen Erzählungen zusammengezogen. Es ist, als hätten die Griots selbst beschlossen, dass zwischen Sundiata und Musa das Detail nicht von Belang sei und dass das, was überliefert werden müsse, kleinere, eher thematische Vignetten seien.

Dies ist eine uns fremde Haltung gegenüber der Vergangenheit, aber keine unvernünftige. Für den Griot ist die Vergangenheit keine Chronik der Daten, sondern eine Quelle der Lehre und der Legitimität. Wenn ein bestimmter Mansa drei Jahre regierte und wenig Bedeutsames tat, dann verdient er kein eigenes Epos; er wird in einer Aufzählung genannt, und der nächste wichtige Herrscher erhält die Aufmerksamkeit. Das ist eine Form der Geschichtsschreibung, die zweckhaft ist, nicht chronologisch.

Für den Geschichtsschreiber ist das frustrierend. Für den, der zu verstehen versucht, wie sich westafrikanische Gesellschaften selbst erinnern, ist es vielsagend. Die Nachfolge Malis war für Mali selbst während dieser sechzig Jahre nicht so sehr schwierig wie unwichtig. Die wirkliche Kontinuität saß nicht in der Liste der Mansas, sondern in den Strukturen, der Gbara, der Sofa, den Handelswegen, die weiter wirkten.

Abu Bakr II. und die Wendung zum Atlantik

Der letzte dieser schwierigen Nachfolger ist Abu Bakr II., und über ihn wissen wir etwas, was keiner seiner Vorgänger getan hat: Er kehrte der Sahara den Rücken und blickte zum Atlantik. Nach der Erzählung, die sein Neffe Musa später in Kairo dem mamlukischen Hof berichten sollte, rüstete Abu Bakr II. eine großmaßstäbliche Flotte aus, um zu erforschen, wo der Ozean ende, übergab Musa die Verwaltung und fuhr nach Westen. Er kehrte nie zurück. Der vollständige Hergang, die Anzahl der Schiffe, die Geschichte des einen Kapitäns, der zurückkam, die drei Lesarten, was dies eigentlich bedeute, gehört zum nächsten Ereignis, in dem Musa es selbst der Quelle al-ʿUmaris ﵀ in Kairo erzählt. Für unsere Erzählung hier genügt das Ereignis als Wendepunkt.

Was hier zählt: Mit Abu Bakr II.s Aufbruch, wie wir ihn auch deuten, endet die Zeit der schwierigen Nachfolge. Mali bekommt einen Mansa, der den Thron mit voller Rückendeckung antritt, der islamisch geschult ist, der die Gbara auf seine Seite zu ziehen vermocht hat und der bereit ist, Mali auf die Weltkarte zu setzen. Sein Name ist Musa.

Der Griot als Makler der Macht

Bevor wir diesen Horizont aufsuchen, halten wir noch einmal kurz inne bei der Frage, wie diese sechzig Jahre an Übergängen eigentlich durchgestanden wurden. Die arabischen Quellen schweigen weitgehend. Die Sippenarchive der Mandé sind verloren. Was als Drehpunkt zwischen einem Mansa und dem nächsten wirkte, war der Djeli, der Griot. Jede Thronfolge wurde nicht erst dann legitim, wenn ein Qadi sie verzeichnete oder ein Farba sie vollzog; sie wurde legitim, sobald der Griot beschloss, sie zu besingen.

Das ist eine Rolle, die westliche Geschichtsbücher selten ernst nehmen, die aber für das Fortbestehen Malis in diesem halben Jahrhundert mindestens ebenso wichtig war wie die Gbara selbst. Der Griot bestimmte, welche Erzählung über einen neuen Mansa in Umlauf gebracht wurde. War er ein würdiger Nachfolger Sundiatas oder ein Eindringling? Hatte seine Mutter die rechte Linie, hatte sein Vater den rechten Mut? Diese Fragen wurden nicht durch Rechtstexte beantwortet, sondern durch vorgetragene Epen. Wer die Griots auf seiner Seite hatte, hatte das Volk auf seiner Seite. Wer ihre Gunst verlor, verlor seinen Thron meist kurz darauf ebenfalls.

Sakura, der ehemalige Palastsklave, konnte nur deshalb Mansa werden, weil die Griot-Tradition ihn in den Pantheon der anerkannten Herrscher aufnahm. Das ist keine kleine Leistung für jemanden außerhalb der Sippen-Aristokratie. Es bedeutet, dass die Mandé-Gesellschaft in diesen Jahren einen zweiten Bestätigungsweg entwickelte, der parallel zur Gbara verlief: Neben dem Rat der Abgesandten, der den Mansa anerkannte, gab es das Kollektiv der Djelis, das ihn in der Erinnerung verankerte. Beide Bestätigungswege waren nötig. Beide konnten einen Mansa machen oder brechen.

Was wir aus dem Nebel mitnehmen

Wenn wir auf dieses halbe Jahrhundert zurückblicken, sehen wir keinen Zusammenbruch. Sehen wir keinen Glanz. Wir sehen ein Reich, das ruhig, beinahe unbemerkt, sein eigenes Wesen neu bestimmte. Der Islam rückte vor, von der Hofreligion zur Staatsideologie. Die Gbara lernte, mit mehreren Nachfolgern zu leben, und entwickelte Verfahren, sie zu wählen und zu bestätigen. Die Handelswege blieben offen, denn diese hingen nicht davon ab, wer genau auf dem Thron saß, sondern davon, dass es einen Thron gab. Und als der Nebel sich lichtete, stand ein Reich bereit, das größer, reicher, selbstbewusster und islamischer war als je zuvor.

Das war kein Chaos. Das war Festigung im Verborgenen. Die Quellen nennen es schwierig, weil sie von außen schrieben und die Dramen am Hof nicht entziffern konnten. Von innen war es vermutlich das, was jede Zivilisation in ihrer zweiten Generation durchmacht: die Frage wer sind wir eigentlich, nun, da der Gründer nicht mehr da ist? Mali beantwortete diese Frage langsam, doch es beantwortete sie. Und die Antwort lautete: Wir sind ein islamisches Reich, mit Mandé-Wurzeln, und wir tun das auf unsere Weise.

Diese Antwort sollte ihre Verkörperung in einem Mann finden, der 1312 zur Macht kam und der Welt zeigen sollte, was Westafrika sein konnte.


Quellen

  • Ibn Khaldun ﵀, Kitab al-ʿIbar, die Thronfolge Malis nach Mari Jata: Wali als einer der größten Könige und seine Hadsch unter Baybars, Abu Bakr als Enkel über eine Tochter, der Mawla Sakura, der das Königtum an sich riss, Gao eroberte und auf dem Rückweg von der Hadsch bei Tajura getötet wurde, und danach Qu und Muhammad ibn Qu, zitiert bei Gomez, pp. 94, 96–100.
  • Ibn Fadl Allah al-ʿUmari ﵀, Masalik al-Absar, der Bericht Mansa Musas an Ibn Amir Hajib über seinen Vorgänger, der auf den Atlantischen Ozean hinausfuhr und nicht zurückkehrte, zitiert bei Gomez, pp. 101–102.
  • ʿAbd ar-Rahman as-Saʿdi ﵀, Tarikh as-Sudan, der über die Pilgerfahrt Walis schweigt; das Sundiata-Epos in der Fassung von Mamadou Kouyaté, aufgezeichnet von Djibril Tamsir Niane (1960), zitiert bei Gomez, p. 383.
  • Nehemia Levtzion, Ancient Ghana and Mali, Africana Publishing, New York und London 1973, und Youssouf Tata Cissé, La charte du Mandé et autres traditions du Mali, Albin Michel, Paris 2003, zitiert bei Gomez, p. 408.
  • C. F. Beckingham, “The Pilgrimage and Death of Sakura, King of Mali”, Bulletin of the School of Oriental and African Studies 15/2 (1953): Tajura als der Ort bei Tripolis, nicht in Dschibuti.
  • Michael A. Gomez, African Dominion: A New History of Empire in Early and Medieval West Africa, Princeton University Press, Princeton 2018, pp. 82, 84, 86–89, 92–102, 107, 125, 155, 383, 407–408.
    • pp. 82, 84, 86–87: die Sofa als Fußvolk und später als unfreie Soldaten; die Versammlung bei Kurukan Fugan; der Große Rat aus Feldherren, Sippenhäuptern und dreißig Mansas, mit Tribut an das Zentrum.
    • pp. 88–89: Sundiatas Tod um 656/1258, am Ufer des Sankarani oder durch Ertrinken; der Aufstieg Malis, getragen vom Sahelhandel und der Goldquelle von Bure.
    • pp. 92–93: die Jeliw, die über das Mali nach Sundiata wenig zu sagen haben, und die Verlagerung auf äußere Quellen; die Thronfolge als alles andere als einfach, mit einem mündlichen Korpus, das gespalten ist und Ibn Khaldun ﵀ widerspricht.
    • pp. 94–95: die dreiunddreißig Sippenhäupter als Führung Malis; matrilineare Erbfolge bei Ibn Khaldun ﵀ gegenüber der Vater-Sohn-Linie der Sekundärliteratur, wobei der Große Rat einen Verwandten wählt; kein bestimmter Nachfolger, die Jomba, die ohne Schranken regieren, und ein Erbfolgekrieg.
    • pp. 96–97, 155: Wali als einer der größten Könige Malis und Pilger zwischen 658/1260 und 676/1277, der Beginn des Islam in den Staatsgeschäften; seine Brüder Wati und Khalifa, der mit Pfeilen auf sein Volk schoss und getötet wurde; die Hadsch und der arabische Name als Islamisierung des Königtums.
    • pp. 98–99: Abu Bakr als Enkel über eine Tochter und die Rückkehr zur Mutterlinie; Sakura als usurpierender Mawla, in den mündlichen Quellen Jonnin Sekure, der kleine Sklave; seine Hadsch unter al-Malik al-Nasir, sein Tod bei Tajura, möglicherweise nahe Tripolis, und die Eroberung Gaos; die Datierung seiner Herrschaft auf 1294–95 oder 1299–1309.
    • pp. 100–102: Qu und Muhammad ibn Qu als Nachfolger und Musa an der Macht 712/1312; der schwindende Einfluss der Jäger gegenüber Kaufleuten und religiösen Eliten; die zweitausend Schiffe des Vorgängers, bei Gomez Muhammad ibn Qu, und der Kanarenstrom hinter der Erzählung des einen Kapitäns.
    • pp. 107, 125, 407–408: die Goldfelder außerhalb des direkten Zugriffs Malis; die Routen über Walata nach Taghaza; der Begriff einer Verfassung in der Überlieferung des späten zwanzigsten Jahrhunderts und Cissés La charte du Mandé.

Verweise

(empty)