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Sunni Ali Ber
Geschichte des Islams in Westafrika
سني علي

Sunni Ali Ber

Sonni Ali Ber

Ein Herrscher, der sein Reich zu einem Machtzentrum machte und seine eigenen Ulama zu Feinden. Die beiden Tarikh-Chroniken, die ihn beschreiben, schrieben seine Geschichte mit einem Zorn, der bis heute nachblutet.

Leben

Sonni Ali, mit dem Ehrentitel Ber, „der Große", trat 1464 als vierzehnter Herrscher der Sonni-Dynastie von Gao an und brachte in achtundzwanzig Jahren Regierung ein regionales Königreich zum ersten echten Songhai-Reich. Sein Geburtsjahr ist unbekannt; seine Herkunft ist väterlicherseits Songhai, mütterlicherseits, der späteren Überlieferung zufolge, aus der animistischen Fara-Gemeinschaft von Sokoto. Diese doppelte Herkunft, islamischer Hof und traditionell magisch-religiöse Mutterlinie, sollte seine gesamte Regierung prägen.

Als er den Thron bestieg, war das Mali-Reich, das Mansa Musa einst von der Atlantikküste bis über Gao hinaus ausgedehnt hatte, schwer geschwächt. Tuareg-Föderationen hatten Timbuktu seit 1433 unter wechselnder Suzeränität; örtliche Erhebungen und Mossi-Einfälle hatten die Niger-Schleife zu unsicherem Gebiet gemacht. Sonni Ali rückte hart vor. Sein erster großer Coup: die Einnahme Timbuktus 1468, nach der Vertreibung des Tuareg-Herrn Akil. Für ihn war dies ein militärischer Triumph. Für die Sankoré-Ulama von Timbuktu wurde es zu einem Trauma.

Der Tarikh al-Sudan von Abd al-Rahman as-Saʿdi und der Tarikh al-Fattash zufolge, beide Timbuktu-Chroniken des siebzehnten Jahrhunderts, ließ Sonni Ali bei der Eroberung der Stadt Gelehrte hinrichten, Bibliotheken plündern, Moscheen entweihen. Ein Teil der Sankoré-Ulama, darunter die Familie Aqit (Vorfahren des späteren Ahmad Baba ﵀), floh nach Walata, gut 600 Kilometer westwärts. Die Chroniken vergleichen ihn mit dem Pharao. Sie nennen ihn Kafir, Ungläubigen. Sie nennen seinen Tod ein göttliches Urteil.

In den folgenden Jahren führte er Feldzüge in alle Himmelsrichtungen. Mossi-Überfälle wurden zurückgeschlagen. Die Dogon der Bandiagara-Schichtstufe wurden unterworfen. Die Fulbe-Gruppen Massinas wurden mit wechselndem Erfolg bekämpft. Und dann folgte die Belagerung Djennés im Binnendelta des Niger, einer Stadt auf einer Insel, in der Trockenzeit von flachem Wasser umgeben und in der Regenzeit unzugänglich. Die Überlieferung gibt eine Belagerung von sieben Jahren, sieben Monaten und sieben Tagen an; in Wirklichkeit handelte es sich vermutlich um kürzere Druckphasen, verteilt über mehrere Jahre. Schließlich ergab sich Djenné, vermutlich um 1473. Sonni Ali gliederte die Stadt in sein Reich ein und heiratete der Überlieferung zufolge die Mutter des besiegten Königs als Zeichen der Versöhnung.

Er starb im November 1492. Nach dem Tarikh al-Sudan ertrank er im Niger bei der Rückkehr von einem Feldzug gegen die Gurma. Eine andere Lesart spricht von natürlichem Tod auf derselben Reise. Eine dritte, noch spätere, von Vergiftung durch seinen eigenen Kreis. Welche auch immer die Wahrheit sei, mit seinem Tod brach das fragile Gleichgewicht zwischen der Dynastie und dem Ulama-Block; sein Sohn Sonni Baru wurde innerhalb eines Jahres von Askia Muhammad abgesetzt.

Glaube und Kultur

Sonni Ali nannte sich Muslim. Er verrichtete das Freitagsgebet, er erhielt Moscheen (soweit es strategisch von Bedeutung war), er gebrauchte islamische Legitimationsformeln. Doch er war zugleich ein Songhai-Herrscher im vorislamischen Sinne: Er ließ sich von Sohantyè beraten, magisch-religiösen Spezialisten mit Zugang zu Holey-Geistern, und gebrauchte Rituale, die im Sankoré-Fiqh undenkbar waren. Er tanzte rituell. Er ließ Amulette anfertigen. Er regierte aus einem doppelten Register heraus.

Für die Sankoré-Ulama war das unverzeihlich. Für die Bevölkerung der Niger-Dörfer war es vertraut. Der Tarikh al-Fattash, in der Form, in der wir ihn heute kennen, möglicherweise teils eine Sokoto-Redaktion des neunzehnten Jahrhunderts, urteilt scharf. Das Urteil ist nicht neutral. Es wird von den Nachkommen jener Gelehrten ausgesprochen, die Sonni Ali verfolgt oder vertrieben hatte, und später von den Fulbe-Dschihadisten, die ein Interesse an einem einfachen Kontrast zwischen „wahren Muslimen" und „halben Heiden" hatten. Der moderne Historiker liest diese Quellen folglich in ihrem Kontext, nicht als objektiven Bericht.

Dem steht gegenüber, dass der maghrebinische Jurist al-Maghili ﵀, der kurz nach Sonni Alis Tod in Gao eintraf, Askia Muhammad juristisch beriet, dass Sonni Ali (sic, hier ohne Honorific: Er sprach ihm das Muslimsein ab) in Wahrheit kein echter Muslim gewesen sei und dass seine Verträge, Urteile und Handlungen rückwirkend für ungültig erklärt werden könnten. Dies war eine juristische Atombombe, die zugleich ein theologisches Verdikt fällte. Dieses Urteil haftet seitdem an seinem Namen.

Nachlass

Sonni Ali machte aus Songhai ein Reich. Das ist Tatsache, jenseits jeder Chronikverzerrung. Die territoriale Grundlage, die Askia Muhammad konsolidieren sollte, war von Sonni Ali gelegt: Gao als Hauptstadt, Timbuktu und Djenné einverleibt, der Niger unter einer Flotte, ein Kavallerieapparat, der bis zum Ende des sechzehnten Jahrhunderts konkurrenzfähig blieb.

Institutionell hinterließ er ein gemischtes Erbe. Er baute eine zentralisierte Flotte auf, Songhais militärische Stärke auf dem Niger, sowie ein provinziales Verwaltungssystem mit Militärgouverneuren. Doch er baute keine juristische oder gelehrte Infrastruktur auf. Diese mussten später Askia Muhammad und al-Maghili ﵀ installieren.

Sein Platz in der Erinnerung ist unruhig. In den Timbuktu-Chroniken ist er der Tyrann. In der mündlichen Überlieferung der Songhai ist er Ber, der Große, der Herrscher, der die Mossi und die Tuareg züchtigte, der Souverän, auf dessen Namen das Reich ruht. Im modernen Mali und Niger ist eine langsame Revision im Gang; seit der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts weisen Historiker wie Sékéné Mody Cissoko und Mahmoud Zouber auf die Tarikh-Quellen als parteilich und auf Sonni Alis staatsbildende Leistungen als unterschätzt hin. Beide Bilder bestehen nebeneinander.

Für uns, die heute Abend seine Geschichte hören, zählt die methodische Lektion: Eine historische Gestalt lässt sich weder auf das reduzieren, was die siegreichen Ulama über sie schreiben, noch auf das, was die Volksverehrung später idealisiert. Eine ehrliche Lesart erkennt beides an und sucht zwischen beiden den wirklichen Mann, der in der politischen und religiösen Komplexität des Songhai des fünfzehnten Jahrhunderts regieren musste.

Auf der Karte

Folgen Sie mit mir vier Punkten. Gao auf 16,27° Nord, 0° Länge, am Niger, seine Hauptstadt, Songhai-Zentrum. Timbuktu, 260 Kilometer stromaufwärts, auf 16,77° Nord, 3,01° West, eingenommen 1468, Wundpunkt seines Erbes. Djenné, weiter stromaufwärts ins Binnendelta hinein, auf 13,91° Nord, 4,55° West, Inselstadt, um die er jahrelang focht. Und Walata, weit nordwestlich auf 17,3° Nord, 7,03° West, keine Stadt, die er eroberte, sondern eine Stadt, in die seine Feinde flohen, ein geographischer Beweis dafür, wie gründlich er die Sankoré-Ulama vertrieben hatte.


Bühnenaussprache: „Sonni Ali Ber" als SON-ni A-li BER (kurzes e); „Gao" als GA-o (zwei Silben); „Djenné" als dschen-NÉ (französische Schreibung); „Sankoré" als san-ko-RÉ; „Tarikh al-Fattash" als ta-RICH al-fat-TASCH; „sohantyè" als so-han-tjè.

Unsicherheiten:

  • Genaue Dauer der Belagerung Djennés; die Formel „sieben Jahre, sieben Monate, sieben Tage" ist eine mündlich-epische Wendung, kein chronikalisches Datum.
  • Todesursache 1492: drei Überlieferungen nebeneinander (Ertrinken, natürlicher Tod, Vergiftung); der Tarikh al-Sudan wählt das Ertrinken als göttliches Urteil; das ist Deutung, kein Beweis.
  • Urheberschaft und Datierung der Tarikh al-Fattash: Das heute bekannte Werk ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein zusammengesetzter Text mit Schichten sowohl des siebzehnten als auch des neunzehnten Jahrhunderts (Sokoto); der anti-Sonni-Ali-Ton ist teilweise spät gefärbt.
  • Der Umfang der „Hinrichtungen von Gelehrten" bei der Einnahme Timbuktus 1468 ist unsicher; die Zahlen in den Chroniken wirken eher rhetorisch als zählend.

Quellen

  • ʿAbd ar-Rahman as-Saʿdi ﵀, Tarikh as-Sudan (Timbuktu, geschrieben zwischen 1653 und 1656), Kapitel 12 über die Herrschaft Sunni ʿAlis und die Kapitel 2, 5, 7 und 13 über die Sunni-Dynastie, Jenne, Timbuktu und die Machtergreifung Askia Muhammads: die Chronik, die ihn den großen Unterdrücker nennt und seinen Tod dem Allmächtigen zuschreibt, in der Übersetzung von Hunwick, pp. 8, 17, 20–21, 31, 33–34, 91–103.
  • Mahmud Kaʿti ﵀ und Ibn al-Mukhtar ﵀, Tarikh al-Fattash, die zweite Chronik Timbuktus, deren erstes Kapitel im frühen neunzehnten Jahrhundert zugunsten Ahmad Lobbos von Masina gefälscht wurde, wie besprochen bei Gomez, p. 171, und in Hunwick, Shariʿa in Songhay, p. 45.
  • Muhammad al-Maghili ﵀, Ajwibat (die Antworten an Askia al-Hajj Muhammad, Gao, um 1498), die zweite Frage über Sonni Ali: sein Vater der Sultan von Songhay, seine Mutter aus dem Land Far, wo man Götzen verehrt und Wahrsager und Magier befragt, seine Gebetsgewohnheiten und das Urteil, dass solches Verhalten Unglaube ist, in der Übersetzung von Hunwick, Shariʿa in Songhay, pp. 69–70, 73, 75.
  • John O. Hunwick (Übers.), Timbuktu and the Songhay Empire: al-Saʿdi’s Taʾrikh al-sudan down to 1613 and other contemporary documents, Brill, Leiden 2003 (2. Aufl.; 1. Aufl. 1999), pp. xxxviii–xxxix, xliii, 8, 17, 20–21, 31, 33–34, 91–96, 99–100, 102–103.
    • pp. xxxviii–xxxix, xliii: die Herrschaft von 1464 bis 1492 mit Gao als Hauptstadt und den Songhay-Ländern bis Dendi als Kern; das Heer mit der Kavallerie an der Spitze; die Mossi, die 1480 Walata angriffen; ein Herrscher, der den Glauben nicht gewissenhaft ausübte; die Ämter seiner Zeit, darunter der Hi-koi als Befehlshaber der Boote und der Tondi-farma als Gouverneur des Hochlands von Bandiagara.
    • pp. 8, 31, 91 (TS Kap. 2, 7, 12): die Thronbesteigung 869/1464–5 und die siebenundzwanzig oder achtundzwanzig Regierungsjahre; die Herrschaft der Sunnis, die erst unter ihm ausgedehnt wurde; die Tuareg, die Timbuktu ab 837/1433–4 vierzig Jahre lang beherrschten, worauf seine Herrschaft über die Stadt 873/1468–9 begann.
    • pp. 33–34, 93–94 (TS Kap. 7, 12): der Tuareg-Herr Akil, der Einzug in Timbuktu im Rajab 873/Januar 1469, die Brandschatzung und die Morde; die Flucht der Sankore-Gelehrten, unter ihnen ʿUmar ibn Muhammad Aqit ﵀ und seine Söhne, auf tausend Kamelen nach Biru (Walata); die Verfolgung der Zurückgebliebenen bis 875/1470–1.
    • pp. 17, 20–21 (TS Kap. 5): Jenne auf 13°55′ Nord und 4°33′ West, in der Regenzeit eine Insel; die Belagerung von sieben Jahren, sieben Monaten und sieben Tagen nach der Überlieferung der Stadt; die Übergabe und die Heirat mit der Mutter des jungen Sultans.
    • pp. 92, 95–96, 99–100, 102–103 (TS Kap. 12–13): die Feldzüge gegen die Berge (Bandiagara), die Fulbe von Sonfontera in Masina und die Mossi, geschlagen 888/1483–4; sein Spott über das Gebet; der Tod am 15. Muharram 898/6. November 1492 in einer Sturzflut bei Kuna auf dem Rückweg aus Gurma, mit der mündlichen Überlieferung, Askia Muhammad habe ihn ermorden lassen; die Niederlage Sunni Abu Bakrs (Baru) bei Gao am 2. April 1493 und der Spottname a si kiya.
  • John O. Hunwick (Hg./Übers.), Shariʿa in Songhay: The Replies of al-Maghili to the Questions of Askia al-Hajj Muhammad, Oxford University Press for the British Academy, Oxford 1985, pp. 22–26, 39, 41, 45, 69–70, 73, 75.
    • pp. 22–26: die Einnahme Timbuktus 1468 und Jennes um 1472, Walata, das er nie einnahm, der Vergleich mit al-Hajjaj und Timur; das Gebet und das Fasten, die ihm alle Quellen zugestehen, neben seiner Rolle im traditionellen Songhay-Kult; ein Reich ohne verwaltungsmäßige Feinheit, das Askia Muhammad erst einrichten musste; Muhammad Ture als Tondi-farma über Hombori und Bandiagara und die Überlieferung, er habe Sonni Ali getötet.
    • pp. 39, 41: al-Maghili ﵀, der Songhay mied, solange Sonni Ali regierte, und erst kurz nach der Rückkehr des Askia im Juli oder August 1498 nach Gao kam.
  • Michael A. Gomez, African Dominion: A New History of Empire in Early and Medieval West Africa, Princeton University Press, Princeton 2018, pp. 171, 188, 201, 203, 210: der Abzug aus Jenne um 878/1473–4; die Wahrsager und Magier seiner Mutterlinie und der holey-Kult mit Besessenheit und Tanz; der Hi-koi als Haupt der Flussflotte des Sunni.